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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute tasten wir uns dafür lieber vorsichtig an die Gegenwart heran. Und lernen dabei, dass es für uns Menschen vermutlich schon immer ausreichend Gründe zum Ärgern gab, aber auch Möglichkeiten/Auswege, um damit fertig zu werden.
1. Spitz-findig-keit
Arthur Schnitzler als 19-Jähriger, heute vor genau 144 Jahren in Wien – wo er 1862 geboren wurde, lebte und 1931 69-jährig verstarb -, mit folgendem Eintrag im „Buch der Tagebücher“ (S. 62; zur Person S. 655):
„Nichts Neues. Man geht eben ab und zu ins Theater – oder besucht eine Vorlesung – oder liest eine Novelle – oder mikroskopiert, oder geht ins Café – plaudert über Dinge, die man will und nicht hat, wobei man sich ärgert, oder über Dinge, die man nicht will und doch hat, was einen auch ärgert, oder über Dinge, die man will und hat – die einem folglich eine Stunde später gleichgiltig sind … Um Himmelswillen! Flammen! Glanz! Entzücken. Ob es nicht beinahe gescheidt wäre, sich zu verlieben …“
Wie der Schnitzlersche Lebenslauf auf Wikipedia (s.o.) ausweist, hat er davon kräftig Gebrauch gemacht. Neben dem Hinweis auf sein enormes künstlerisches Schaffen – Dramen und Prosa – sind dort allein sieben zentrale Partnerinnen festgehalten. Einfach zum Schmunzeln der erste Name: „von 1886 – 1897, Olga Waissnix, vermutlich platonisch“.
2. Spitz-findig-keit
Auf faz-net vom 21.1.2026 (hinter Schranke) geht Prof. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, der Frage nach, „… wie Hoffnung in schwierigen Zeiten unsere psychische und körperliche Gesundheit stabilisieren kann, uns also resilient macht, und wie sie uns hilft, die Dinge positiv zu verändern.“
Dabei stelle Optimismus „… eine übergeordnete Grundhaltung dar: Ich bin guter Dinge anzunehmen, dass die Dinge genau so eintreten werden, wie ich es mir vorstelle. Kombiniert mit Selbstwirksamkeit als dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, eine Situation aktiv und positiv beeinflussen zu können, bildet Hoffnung eine dynamische Kette: Hoffnung liefert den Antrieb, Optimismus die Erwartung des Gelingens und Selbstwirksamkeit das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und das wiederum mündet in aktivem Coping, also einer problemlösungsorientierten Bewältigung von Herausforderungen.“
3. Spitz-findig-keit
So oder so ähnlich ist Thorsten Frei gestrickt, der am letzten Freitag in der Schlossparkhalle in Geislingen einen Auftritt hatte. Wir kennen ihn schon aus den #202, #212 und #217. Der Chef des Bundeskanzleramtes hatte sich auf Einladung von Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin, von Berlin aus auf den Weg gemacht. Aufgrund winterlicher Straßenverhältnisse hatte er eine satte Verspätung von 1 1/2 Stunden eingefahren, was aber weder ihn, noch die im Wahlkampfmodus befindliche Ministerin – am 8. März wird der neue Landtag gewählt – sichtlich beeindruckte. Im Gegenteil, unter Einbeziehung u.a. des Landrats Günther-Martin Pauli und des Geislinger Bürgermeisters Oliver Schmid, wurde dies elegant überbrückt und zugleich das Fundament für den Vortrag des Hauptredners gelegt. Annähernd zeitgleich zum Einzug der deutschen Handballnationalmannschaft ins EM-Finale mit dem 31:28-Sieg über Kroatien kam Thorsten Frei in die Halle.
Warterei hat sich gelohnt
Klare Gedanken von Frei, ausgedrückt in klarer Sprache: Wir brauchen Wirtschaftswachstum, verfolgen unsere Lösungsansätze, aber sind noch bei weitem nicht da, wo wir hin wollen. Mit 46 Millionen ist unsere Beschäftigenzahl gegenwärtig so hoch wie noch nie, aber sehr viele Industriearbeitsplätze sind verloren gegangen. Unter Bezugnahme auf den BDI-Präsidenten Peter Leibinger bescheinigte er den Arbeitskosten ein hohes „Verhetzungspotential“, wir seien zudem nicht mehr soviel besser, wie wir teurer sind. Das müsse sich ändern.
In der Sozialen Markwirtschaft werde man aufgefangen, niemand falle ins Bodenlose. Allerdings muss der Einzelne auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Die neue Grundsicherung werde dem gerecht, da auf die Zumutbarkeit in Bezug die Fahrstrecke zur oder gar eines Umzugs an die neue Arbeitsstelle größerer Wert gelegt werde. Kein „Schlaraffenland“ mehr, jeder müsse seinen Beitrag leisten. Auch in Bezug auf die Lösung des Migrationsproblems ist Frei zuversichtlich. In 2025 seien die Asylanträge um 51 % zurückgegangen und die Rückführungen um 11 % angestiegen. Es gebe noch große Probleme, aber insgesamt ist er sehr optimistisch, diese in den Griff zu bekommen.
Und was wirklich gut war, müssen wir erhalten – bemerkte Thorsten Frei augenzwinkernd zum Abschluss seiner, hier stark verkürzt wiedergegebenen Rede.

Fragerunde
In der anschließenden Fragerunde zeigte er sich hinsichtlich der neuen Handelsbeziehungen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten und mit Indien sehr zuversichtlich. Im Verhältnis zu China würde das Prinzip der Reziprozität angewandt, d.h. Offenheit gegen Offenheit. Mit dem Ende der Ampel hätte zudem das unsägliche „German Vote“, sprich die Enthaltungen von deutscher Seite bei wichtigen Ratsentscheidungen in Brüssel ein Ende gefunden. Offen bekannte er auch, das ihm die Festlegung des Sondervermögens sehr schwergefallen ist. Man müsse mit diesen durch Schulden finanzierten Mitteln deshalb vorrangig die Sicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Nur so könne man dies auch gegenüber der jüngeren Generation rechtfertigen.

#PreppoKompakt
Nach der Nationalhymne ging es auf den Nachhauseweg. Thorsten Frei mit dem traditionellen Geschenkkorb voller lokaler Lebensmittelprodukte und ich mit der Zuversicht, dass auch die versprochene Rückgängigmachung der Cannabis-Teillegalisierung nicht mehr lange auf sich warten lässt.


