Spitz-findig-keit #252

7 minutes

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute geht dafür darum, ob und wie wir Menschen situativ in der Lage sind, uns auferlegte Aufgaben zu erfüllen. Oder eben nicht.

1. Spitz-findig-keit

Auf faz-net vom 4.1.2026 (hinter Schranke) faßt Wirtschaftsredakteur Patrick Bernau die Ergebnisse eines internationalen Forscherteams um den Sportwissenschaftler Prof. Arne Güllich von der Technischen Universität Kaiserslautern wie folgt zusammen. „Wenn es um absolute Spitzenleistungen geht, kommen die meist von Spätberufenen. Mehr noch: Es ist sogar typisch, dass Wunderkinder als Erwachsene nicht mehr zu den Spitzen ihres Faches gehören. Das ist nicht nur in der Musik so, sondern auch im Sport und in der Wissenschaft, sogar im Schach und beim Filmemachen – und zwar überraschend einhellig … .“

Und weiter. „Immer stellt sich heraus, dass nur einer von zehn starken Jugendlichen auch als Erwachsener noch vorne dabei ist. Neun von zehn Jugendlichen verlieren im Lauf der Zeit den Anschluss zur Spitze, und neun von zehn Erwachsenen waren in jüngeren Jahren noch nicht ganz oben auf dem Podest.“

Schlüssel zum Ausnahmeerfolg

„Man braucht Erfahrung in anderen Dingen. Wenn erwachsene Topleister untersucht werden, dann zeigt sich: Sie haben zwar durchaus oft als junger Mensch schon in ihrer Disziplin geübt, viele haben aber auch anderes getan. Weltklassesportler haben in Kindheit und Jugend durchschnittlich neun Jahre lang noch zwei andere Sportarten betrieben, das gilt für praktisch alle olympischen Sportarten. In der Wissenschaft haben Nobelpreisträger viel mehr Zeit mit anderen Disziplinen verbracht als die Gewinner nationaler Wissenschaftspreise, aber auch mit Kunst und Musik. Den Komponisten von Opern half es, wenn sie zuvor auch andere Werke geschrieben hatten.“

Gelernte Lektion

„Wer wahre Größe erreichen will, der sollte vielleicht gerade nicht Stunden um Stunden in immer nur eine Sache stecken. Die Forscher empfehlen auch für Jugendkader und Eliteförderprogramme, künftig mehr Zeit für andere Disziplinen einzuräumen.“

Politiker werden in der Auswertung nicht explizit erwähnt. Aber klar ist, je älter, desto mehr Lebenserfahrung, und wie für die Nachkriegsgeneration typisch, vor allem auch mit undemokratischer Regierungsform. Wichtig in Zeiten des Umbruchs ist die Zusammenführung unterschiedlicher Erfahrungsbereiche, so wie es Konrad Adenauer beispielsweise mit Ludwig Erhard und dessen Sozialer Marktwirtschaft hinbekommen hat (zur Frage der „Vaterschaft“ siehe nur hier).

2. Spitz-findig-keit

Vom „Alten“ lernen – zum 150. Geburtstag von Konrad Adenauer in der NZZ vom 5.1.2026 (hinter Schranke) ein Beitrag von Prof. Andreas Rödder, der neueste Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz lehrt. Wie der am 5. Januar 1876 in Köln geborene Bundeskanzler Adenauer im kongenialen Zusammenspiel mit Charles de Gaulle, die eben nicht nur sprichwörtliche „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich beenden konnte, hatten wir bereits in der #236 thematisiert. Sein Beitrag zum Wohle der Menschen im Nachkriegsdeutschland ging weit darüber hinaus.

Adenauers Weichenstellungen für die Bundesrepublik

„Dafür waren drei revolutionäre Innovationen verantwortlich, … allesamt mit Konrad Adenauer verbunden … : politische Stabilität durch eine neue Volkspartei; ökonomische Prosperität und soziale Stabilität durch das Modell der Sozialen Marktwirtschaft; und eine aussenpolitische Umorientierung durch entschiedene Westbindung.“

Adenauers Lektionen auch für unsere heutigen Führungskräfte

„Es sind drei Lektionen über politische Führung, die sie bereithält. Erstens: Nachhaltige Führung verlangt, Auseinanderstrebendes zu verbinden und dabei Ambivalenzen und Uneindeutigkeiten hinzunehmen: nationale Interessen und universale Werte, Realpolitik und Strategie, Pragmatismus und Prinzipien. Zweitens: Bedeutende Führungskraft verlangt, Prioritäten zu setzen und ihnen treu zu bleiben: Substanz geht vor Popularität. Und drittens: aussergewöhnliche Führung verlangt, sich von der Offenheit der Geschichte inspirieren zu lassen: Die Zukunft ist gestaltbar. Das Unwahrscheinliche ist möglich. Und das Mögliche verlangt Phantasie. Wirkliche Führung folgt nicht. Sie führt.“

Soweit Andreas Rödder, der auch die Denkfabrik Republik 21 für neue bürgerliche Politik, ein Verein mit Sitz in München, leitet. Bei uns ist er schon in der #137 ausführlich zu Wort gekommen und hat in der #194 seine treffliche Meinung zur Bundeskanzlerin Merkel hinterlassen.

3. Spitz-findig-keit

Objektiv betrachtet haben es da Maler wesentlich leichter, oder? Max Beckmann – heute vor 80 Jahren in Amsterdam beim Sinnieren über das Malen, festgehalten im „Buch der Tagebücher“ (S. 30; zur Person S. 617 – schon aus #46 und #184 bekannt).

„Möchte nur wissen warum das Malen so anstrengend ist. – Das bißchen Farbe verschmieren – Du mein Gott, – ‚Laboratorium‚ fertig gemacht. 4 oder 5 Stunden gemalt. – Schönes Ausruhen, das. – In dem Sturmabend durchs Städtchen, aber noch nicht in Kneipen. Ausruhen abends doch sehr wichtig. – Valentin Radio – ‚delighted, thank you‘. Dämonen, Riesensturm.“

#PreppoKompakt

Überall lauern Gefahren. Im Laboratorium/Versuchslabor können Fehler passieren, wie schlußendlich die Untersuchungen zum Ursprung der Pandemie im chinesischen Wuhan nahegelegt haben. Von uns zuletzt im Juni 2021 hier festgehalten. Das Unglück in der Silvesternacht im schweizerischen Crans-Montana hätte verhindert werden können, wenn die behördliche Kontrolle in Bezug auf den adäquaten Brandschutz im Vergnügungslokal, die zulässige Anzahl der Besucherinnen und Besucher sowie deren Alter, effektiv ausgeübt worden wäre. Der aktuelle Blackout in Berlin, nach dem 19. Februar 2019 bereits der zweite, wohl eher nicht. Gegen Terrorismus jeglicher Spielart, ob von ganz links oder ganz rechts, ist eine offene Gesellschaft zunächst hilflos. Aber Mann/Frau kann sich gegen bestimmte Folgen wappnen. Wie von uns im Januar 2020 in zwei Beiträgen – hier zum ersten und zum zweiten – ausführlich beschrieben und das Jahr später unter der Überschrift „Blackout ante portas“ erneut in Erinnerung gerufen. Der Spruch von Konfuzius (591-479 v. Chr.) gilt weiterhin. „Dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.“

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert