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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute klopfen wir dafür lieber ein paar Sprüche, lustig gemeint, aber doch mit empfindlichem Tiefgang.
1. Spitz-findig-keit
Den Einstieg wagen wir mit „Boah Bahn! Wir sitzen alle im selben Zug.“ Da begegnen wir auch wieder Herrn Pluesch, einem weiteren Charakterdarsteller aus der Preppo-Feder, wie schon in der #215.
Na, ganz so einfach ging das doch nicht. Auf faz-net am 8.2.2026 (hinter Schranke) wird das Aus für die Imagecampagne beschrieben. „Der DB-Vorstand für den Personenfernverkehr, Michael Peterson, hatte die Webserie mit [Anke] Engelke zum Start im Oktober 2025 seinerzeit als ‚humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden‘ der Bahn gelobt. … Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft EVG, Martin Burkert, fragt laut ‚Bild am Sonntag‘ nun mit Blick auf die Kosten, ‚ob nicht die Sanierung aller Pausenräume oder eine flächendeckende Ausstattung mit Bodycams die bessere Liebeserklärung gewesen wäre‘.“
Hintergrund dieser Kritik ist der Tod eines Zugbegleiters in der letzten Woche infolge des Angriffs eines Schwarzfahrers bei der Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress. Die neue „… Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Evelyn Palla, sprach von einem ’schwarzen Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land‘.“
2. Spitz-findig-keit
Meine enorm aufmerksame, nette Schulfreundin Christa aus dem Frankenland hat mir am letzten Mittwoch die folgenden Zeilen zugänglich gemacht:
„Die Märchenerzähler dieser Welt: Das Trumpel-Stilzchen
Heute back ich, morgen zoll ich / heute bock ich, morgen schmoll ich /
übermorgen hol ich mir rasant / einen Diktator oder gleich ein ganzes Land. /
Ach wie gut, dass jeder weiß, dass ich auf Recht und Ordnung scheiß.“
Ein treffliches Zitat, am Schluß etwas ordinär, aber schließlich ist Fastnacht/Fasching/Fasnet, nicht nur in Franken, auch im Schwabenland. Mann/Frau reibt sich dort nach der Lektüre des Schwarzwälder Boten vom 12.2.2026 die Augen. „OB Roland Tralmer kündigt mit närrischem Humor im Trump-Stil die Annexion von drei Balinger Stadtteilen an. Balingens OB Dirk Abel lässt das nicht auf sich sitzen.“

3. Spitz-findig-keit
Von Mascha Kaléko – wir kennen sie bereits u.a. aus der #93 – ein tiefgründiger, zugleich lustiger, immer noch gültiger Spruch aus den 1970er Jahren:
„Ein Lieblingssport der neuen Zeit Ist das Im-trüben-Fischen.
Drum: Übst du Treu und Redlichkeit, So laß dich nicht erwischen.
– Und angelst du im fremden Teich, Greif nie nach kleinen Fischen!“
(Aus: Die paar leuchtenden Jahre, dtv, 12. Auflage 2014, S. 46)
Meine integre, tugendhafte und liebe Schulfreundin Gabi hat dazu folgendes angemerkt: „Wenn ich schon im fremden Teich angeln würde, dann ganz bestimmt nach der größten Forelle greifen. Du weißt doch, dass ich sehr gerne gebratene Forellen esse.“ Man beachte die sorgfältige Formulierung im Konditional. Ich sage, nie und nimmer würde sie in fremden Teichen angeln.
#PreppoKompakt
Beim Albstädter Trump wäre ich mir da nicht so sicher, im Gegenteil. Wenn man sieht, wieviel Trump schon im Tralmer steckt [Roland Tralmer/Donald Trump] – viel Potenzial, um in fremden Teichen sogar mit Netzen zu fischen! Und (Märchen) erzählen kann er zudem auch.


