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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute schauen wir dafür – größtenteils mit Hilfe der FAZ – nochmal auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg vor einer Woche.
1. Spitz-findig-keit
Eine Art Nachlese brachte (hinter Schranke) faz-net am Sonntag um 17 Uhr 21, also schon 39 Minuten vor Schließung der Wahllokale. „Was von 15 Jahren Kretschmann bleibt“ titelte Rüdiger Soldt, „… wenn er … die Villa Reitzenstein verlässt. Kretschmann, heute 77, wird dann länger regiert haben als alle seine Vorgänger von der CDU. Erst regierte er fünf Jahre mit der SPD, dann noch ganze zehn mit der CDU.“
Dann werden seine „Politik des Gehörtwerdens“ in zufällig bestückten Bürgerforen ohne bindende Wirkung, seine ambitionierte Klimaschutzpolitik mit einem Anteil der „Erneuerbaren“ an der Stromerzeugung von 55 Prozent und dem in der Bundesrepublik dichtesten Ladenetz für E-Autos sowie der 2014 gegründete Nationalpark Nordschwarzwald angeführt. „Ein … kleines Projekt mit großer Wirkung“ – die in 2015 erfolgte Aufnahme eines Sonderkontingents jesidischer Frauen und Kinder, die im Nordirak durch Terroristen des Islamischen Staats (IS) einem Genozid ausgesetzt waren. Dazu gehörte auch die Menschenrechtsaktivistin Nadia Murat, die dem Leid der Jesiden eine Stimme gab und dafür 2018 den Friedensnobelpreis erhielt. Und zuguterletzt: „Was sicher von seiner Ära bleiben wird: der Name einer neu entdeckten Wespenart, die auf schwäbischen Streuobstwiesen heimisch ist: Aphanogmus kretschmanni.“
Was sich zudem, besser als die Wespenart, in meinem Gedächtnis zu Winfried Kretschmann eingegraben hat, sind seine umfänglichen Wanderungen auf unserer schönen Alb, seine waschlappenbezogenen Wasserspartipps und sein „Weib“, seine Angetraute, die während der Weiberfasnet/-fasnacht am Donnerstag vor Aschermittwoch regelrecht dafür brennt. Wenn das keine Spitzfindigkeit wert ist.
2. Spitz-findig-keit
Auf faz-net am 10.3.2026 wird in Bezug auf das Wahlergebnis die Rentner-Koalition herausgehoben. „Dass Grüne und CDU in Baden-Württemberg weiter zusammenregieren können, haben sie vor allem der Wählergruppe der Rentner zu verdanken. In der Gruppe kommt die CDU auf 37 Prozent, die Grünen kommen auf 35 Prozent.“ Auch die Erstwähler-Karte, also die von den Grünen gewünschte Absenkung des Wahlalters, hat offensichtlich gezogen, wie von faz-net am Wahlabend visualisiert.

Wie auch der vielbeachtete Video-Beitrag der im Wahlkreis Karlsruhe-Stadt 2021 und 2025 direkt gewählten grünen Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer, promovierte Wirtschaftsingenieurin mit blauen Augen, schwarzem Haar und roten Lippen, gezogen hat. Von Michael Hanfeld auf faz-net am 10.3.2026 so kommentiert: „Man muss indes schon recht naiv sein, wollte man ihr die Erklärung abkaufen, sie habe das acht Jahre alte Video, auf dem der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel von den ‚rehbraunen Augen‘ einer Schülerin schwärmt, zwei Wochen vor der Wahl allein deshalb gepostet, um eine – immer berechtigte – Debatte über Sexismus in der Politik ‚anzustoßen‘ und sonst nichts. Eine Kampagne sei das nicht gewesen, dann ‚wäre man ganz anders vorgegangen – strategischer und professioneller‘.“
„Sorgen bereitet mir, mit welch massiver Schmutzkampagne der Grünen in den vergangenen zwei Wochen von allen wichtigen Sachthemen wie Wirtschaft, Sicherheit und Bildung abgelenkt wurde. Dieser Stil des grünen Wahlkampfes, der amerikanische Verhältnisse in unser Land gebracht hat, darf in Baden-Württemberg nicht Schule machen. Diese Schmutzkampagne hat das Vertrauen zu den Grünen massiv beschädigt.“ So Tobias Vogt, Mitglied des Landtags und CDU-Generalsekretär, am 10.3.2026 in einer Mail an die CDU-Mitglieder. Dem kann ich mich problemlos anschließen.
3. Spitz-findig-keit
„Auf den letzten Metern ziehen die Grünen in Baden-Württemberg an der CDU vorbei. Das verdanken sie ihrem Spitzenkandidaten, der Kretschmann-Wähler bindet – und großer Distanz zur Bundespartei.“ So beginnt die ausführliche Wahlanalyse auf faz-net vom 9.3.2026.
Sie endet mit dem Hinweis, dass es nun darum gehe, für die nächsten fünf Jahre eine stabile Regierung zu bilden. Mit ihren jeweils 56 Mandaten verfügt die grün-schwarze Koalition im Landtag über eine klare Zweidrittelmehrheit, ein Stabilitätsfaktor erster Güte. Laut Cem Özdemir vom Wahlabend sollten sich im Koalitionsvertrag beide Parteien wiedererkennen, was er auf die Formel bringt: „Das ist dann nicht rein Grün, rein Schwarz, das ist Baden-Württemberg.“
Widmung
Meiner tapferen Cousine Alexandra gewidmet, die heute im bergigen Spessart, der fast so schön ist wie die Schwäbische Alb, ihren Geburtstag feiern kann.
#PreppoKompakt
Als dem Ländle sehr verbundener Bürger hoffe und setze ich darauf, dass gemeinsam eine solide Arbeit geleistet wird. Das heißt auch, dass die baden-württembergischen Grünen aus den desaströsen Fehlern der Ampelregierung im Bund – für die SPD und FDP bei dieser Wahl nochmals abgestraft wurden – die richtigen Schlüsse ziehen. Pragmatismus statt Ideologie, ganz einfach auf den Punkt gebracht.


