Spitz-findig-keit #269

6 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute kommen wir dafür über Frau Goethe zur aktuellen Bundespolitik und enden mit einem anstrengenden, aber ungemein wohltuenden Besuch und Wiedersehen im Hohenloher Land.

1. Spitz-findig-keit

Heute genau vor 210 Jahren notiert Christiane Vulpius (1765-1816), verheiratete Goethe, in Weimar in ihr Tagebuch (gefunden, wie zuletzt, natürlich im „Buch der Tagebücher“ S. 229; zur Person S. 628):

„Hauswirtschaftl. Besorgungen. Noch immer wegen kalter regenhafter unfreundlicher Witterung kränklich. Der Shawl angekommen. Mittag für uns. Im [JG – Schloss] Belvedere mit Lortzings. Lortzings u. die Riemern [Friedrich Wilhelm Riemer, der Sekretär Goethes] zum Spiel.“

Von den 51 Jahren ihres Lebens war sie lediglich die letzten 10 Jahre die „Frau Geheime Rätin von Goethe“. Schon mit 23 Jahren kam sie als Haushälterin ins Goethe’sche Haus am Frauenplan, 1789 gebar sie einen Sohn, erst 1806 wurde die „wilde Ehe“ legalisiert. „Aus den letzten Monaten ihres Lebens ist Christianes Tagebuch überliefert, datierend vom 1. Januar bis zum 30. Mai 1816. Sieben Tage später starb sie an den Folgen einer Nierenerkrankung.“

Zu ihrem Lebensgefährten/Ehemann hatten wir uns in der #233 wie folgt ausgelassen: Uns ist Goethe unter anderem schon als Vertreter und Befürworter des gesunden Menschenverstands – #146 -, eines lebensbejahenden Humors und Lachens – #149 -, und nicht zuletzt als kräftiger Weintrinker – #198 – aufgefallen. Wobei mein Credo zu letzterem lautet: Goethe lesen/rezitieren ja, aber wie er trinken/bechern nein.

2. Spitz-findig-keit

Über eine unbefriedigende Bilanz des ersten Jahres der Bundesregierung berichtet Philip Eppelsheim im FAZ-Frühdenker zur Wochenmitte:

„Im am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Trendbarometer von RTL und ntv äußern sich nur 11 Prozent der Befragten zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung. 87 Prozent sind unzufrieden. Mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sind laut der Umfrage des Instituts Forsa 85 Prozent unzufrieden, nur 13 Prozent sind zufrieden. Nur 10 Prozent der Befragten glauben, dass es der Regierung gelingen wird, im Laufe dieses Jahres bei den Bürgern wieder deutlich an Vertrauen zu gewinnen. 81 Prozent glauben das nicht. Im Politiker-Ranking des Instituts Insa belegen Merz und Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) die hintersten Plätze.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Nur, bitte nicht weiter so!

3. Spitz-findig-keit

Letzten Donnerstag und Freitag haben wir uns mit Schulkameradinnen und -kameraden getroffen. Treffpunkt war der kleine Ort Rechenberg, wo wir uns 1967, vor rund 59 Jahren, zwei Wochen im Schullandheim aufgehalten hatten. Die Jugendherberge in der Burg existiert heute nicht mehr, dafür haben Pferde unseren Platz eingenommen. Bei der Wanderung um den Weiher konnten wir einen schönen Blick auf das ehemalige Quartier erhaschen (Bild 2). Zum Ausgleich haben wir im Ort im Gasthaus Rössle wunderbar gespeist (3).

Danach ging es weiter nach Crailsheim, wo wir sogar einen Storch zu sehen bekamen (4). Die spätgotische Johanneskirche bezauberte mit neugestalteten farbigen Fenstern (5).

Tags darauf in Schwäbisch Hall konnten wir uns nicht nur am riesigen Plakat für alte Meister erfreuen (6), auch der Mittagstisch war wieder reichlich gedeckt (7). Wie überhaupt neben dem geistigen Genuß und der Horizonterweiterung durch unsere Fremdenführerin, Frau Hähnle, an beiden Tagen viel Geselligkeit mit Freude und Spaß im Spiel war. Lustig die Darbietung der Stadtgeschichte am Automaten mit den Puppen (8).

Lassen wir einfach die Bilder sprechen:

Gertrud hat nicht nur hier den Groschen/Euro eingeworfen, sondern sich alles für uns ausgedacht und zusammen mit ihrem Ehemann Olaf perfekt organisiert. Wir danken herzlich.

#PreppoKompakt

Carpe diem„, das heißt „genieße/pflücke/nutze den Tag“ – wir haben uns daran gehalten.

Ein Kommentar

  1. Lieber Jürgen,
    die Spitzfindigkeiten sind wie immer zum Nachdenken, Schmunzeln und diesmal auch als Erinnerung an unser Klassentreffen. Vielen lieben Dank dafür

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