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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute geben wir uns dafür lieber mit einem hohen Hause ab, schwanken zwischen Hoffnung und Zuversicht und blicken zurück auf ein halbes Jahrhundert Stadtgeschichte.
1. Spitz-findig-keit
Faz-net vom 29.4.2026 (hinter Schranke) mit einem klar und scharf formulierten Kommentar von Reinhard Müller zu „Hohes Haus ganz klein“.
Im immer noch sehr großen Bundestag [von 735 in 2021 auf 630 Köpfe in 2025, wobei gemäß des Bundes der Steuerzahler (BdSt) es noch weit weniger sein könnten – siehe #213] müsse nicht jeder alles lesen und verstehen können. „Aber der Bundestag muss verantworten, was er beschließt.“ Dabei sei der einzelne Abgeordnete „… kein bloßes Stimmvieh. Jeder hat das Recht, an der parlamentarischen Willensbildung mitzuwirken. Damit ist nicht nur die Abstimmung gemeint, sondern auch Beratung und Verhandlung. Das wiederum setzt voraus, dass jeder Parlamentarier weiß, worüber abgestimmt wird. Und dann muss er noch ausreichend Zeit haben, sich eine Meinung zu bilden.“
Weiter: „Wenn freilich des Abgeordneten höchstes und gezieltes Streben danach geht, Staatssekretär oder zumindest Botschafter zu werden, so macht er sich klein. Klar: Jeder will regieren. Aber wenn man aus dem Abgeordnetenmandat nichts macht, wenn auch die Spitze des Parlaments ihren Hauptzweck darin sieht, im Hohen Haus, dem zentralen Ort der Demokratie, für Zucht und Ordnung zu sorgen, verfestigt sich der Eindruck, es gehe vor allem um Insignien der Macht, nicht um die Sache.“
Ganz klar, das „… Parlament ist in der Pflicht. Aber letztlich hat das Volk die Vertretung, die es verdient. Als Attrappen oder Staffagen braucht man weder Regierungen noch Parlamente.“
2. Spitz-findig-keit
Die NZZ vom 26.4.2026 (hinter Schranke) hebt den feinen Unterschied zwischen Hoffnung und Zuversicht hervor. Unter der Überschrift „Wenn es keine Hoffnung mehr gibt, hilft Zuversicht – oder: wie man Krisen übersteht“.
„Zuversicht ist kein abstraktes Konzept, sondern im Gehirn messbar. Der Neurowissenschafter Volker Busch erklärt, dass bestimmte Hirnregionen dabei eine Schlüsselrolle spielen, etwa der Hippocampus. Er speichert Erinnerungen. Wer überzeugt ist, eine Herausforderung meistern zu können, greift im entscheidenden Moment auf positive Erfahrungen zurück. Es ist deshalb kein Zufall, dass der Hippocampus bei Menschen, die zur Zuversicht neigen, grösser ist als bei verzagten. Auch der präfrontale Kortex wirkt mit: Hier wird nach Lösungen gesucht, hier werden Ideen entwickelt und die nächsten Schritte geplant. Zuversichtliche Menschen kommen schneller ins Handeln. Zuversicht entsteht also nicht durch Abwarten und Grübeln, sondern durch mutiges Tun – selbst in kleinen Schritten.“
„Zuversicht ist ein verlässlicher Begleiter in Krisenzeiten. Ganz einfach, weil wir uns radikal auf unseren Möglichkeitsraum fokussieren und gelassener mit dem umgehen, was ausserhalb unserer Wirkungsmacht ist. Doch ihr Gegenspieler, das Jammern, lässt sich nicht einfach abstellen. Deshalb sollten wir es dosieren. Vorbildlich ist die Regel einer Gruppe älterer Damen: Über körperliche Gebrechen darf nur in den ersten zehn Minuten des Treffens geklagt werden. Solche Regeln täten auch Unternehmen gut – nicht, um Probleme zu verdrängen, sondern um handlungsfähig zu bleiben.“ So die Arbeits- und Organisationspsychologin Nicole Kopp.
3. Spitz-findig-keit
Die vor ein paar Tagen erschienene Festschrift „50 Jahre Albstadt. Vielfalt, die verbindet“ – hier auf der Albstadtseite – enthält auch Auszüge aus 16 Zeitzeugen-Interviews, die anläßlich des Jubiläums vom Stadtarchiv zum 1.1.2025 eingefahren wurden. Meine Antwort auf die Frage „Warum haben Sie sich als Oberbürgermeister engagiert“ war:
Wohl aus meiner Heimatverbundenheit heraus. Ich wollte meine langjährige berufliche Erfahrung aus Politik und Verwaltung weit weg in Bonn und Brüssel zum Nutzen der Albstädter Bürgerinnen und Bürger einbringen. Auch um meine Dankbarkeit für die hier verbrachte Jugend- und Schulzeit mit den passgenauen Bildungsangeboten zu erweisen und um von den eigenen Leuten Anerkennung zu erfahren. Nicht zuletzt, weil ich schon immer sehr gerne mit Menschen – wie unseren kompetenten städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – zusammenarbeite, etwas das ich von meinem Vater entlehnt habe. Es hat einfach auch Freude und Spaß gemacht.
Auch in den Antworten auf die 14 anderen Fragen konnte ich an vielen Stellen meine Dankbarkeit und Hochachtung zum Ausdruck und an den Adressaten – sprich die Frau, den Mann, die Menschen – bringen. Dank an dieser Stelle auch an Stadtarchivar Nils Schulz und seine Kollegin, beide nicht mehr in Diensten der Stadt Albstadt, für das perfekte Zusammenspiel. Alle Zeitzeugen-Interviews sind übrigens in voller Länge hier auf der Albstadtseite abzurufen/herunterzuladen.
#PreppoKompakt
Üben wir uns einfach in Zuversicht!


