Spitz-findig-keit #270

7 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute kümmern wir uns dafür lieber um Musik aus Hamburg, genießen den Vatertag vor Ort und freuen uns spitzbübisch am „gesprochenen“ Fußball.

1. Spitz-findig-keit

Im FAZ-Frühdenker am 11.5.2026 geht es vorausschauend um zwei Großereignisse der Musikwelt. „Das eine führt nach Hamburg und das andere nach Wien: Udo Lindenberg wird am kommenden Sonntag 80 Jahre alt und in Wien steigt der 70. Eurovision Song Contest.“ Beim ESC-Finale am Samstag landete – da brauchte es keine ausgewiesene Expertise oder magischen Fähigkeiten zur Voraussage – Sarah Engels mit dem Lied „Fire“ für Deutschland wie üblich im hinteren Drittel. Um 1 Uhr stand es fest.

Für die Hamburger kein Hinderungsgrund zur frühen Stunde mit einem Hafenkonzert dem Panikkapitän eine Liebeserklärung angedeien zu lassen. NDR 90,3 überträgt von 6:00 Uhr an 114 Minuten lang; wer da verhindert ist, kann sich den Podcast jederzeit und wiederholt anhören (verfügbar bis 17.5.2027).

„Wer ist dieser Mann unterm Hut, hinter der Sonnenbrille und den Zigarrenrauchwolken? Am 17. Mai 1946 in Gronau geboren, wurde Udo Gerhard Lindenberg zum ersten deutschsprachigen Rockmusiker mit Millionenvertrag, zur Legende, zum Ehrenbürger Hamburgs – und zu einem Künstler, für den politische Haltung, das Einstehen füreinander und der Einsatz für Toleranz und Frieden bis heute eine Selbstverständlichkeit ist. Der Hafenkonzert-Podcast lädt zu einer Entdeckungsreise ein: von der Nachkriegszeit in Westfalen über die wilden Hamburger Jahre am Rondeel bis zum sensationellen Comeback und dem neuen Geburtstags-Hype rund um den 80.“

Wir haben diesen Mann, der schon viele Jahrzehnte im Vier Sterne Hotel „Atlantic“ in Hamburg lebt, in der #133 zu Wort kommen lassen. In sanfter und einfühlsamer Tonlage gibt er dort Erich Kästner zum Besten und verbindet Literatur mit Musik, zwei Lebenselexiere, die Menschen zusammen und sich näher bringen.

2. Spitz-findig-keit

Letzten Donnerstag am Vatertag auf der Albhochfläche bei Bitz. Trotz der Vorhersage des Wetterdienstes mit Regen, davon nur wenige Tropfen. Ebenso kein Tropfen Alkohol. Für die beiden Väter ein angenehmer Nachmittagsspaziergang mit gutem Gespräch und ruhigem Ausklang wiedermal im Mahl.

Auch der Himmelfahrt ins Blaue stand, wie man hier sieht, nichts im Wege.

3. Spitz-findig-keit

„Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.“ Die zehn schönsten Fußballersprüche eingeleitet und wiedergegeben von Walter Krämer in den aktuellen „Sprachnachrichten“ des Vereins Deutsche Sprache (VDS) Nr. 110, II 2026, S. 12.

Fußballer stehen oft, und oft auch gern, im Rampenlicht. Da ist dann bei einem Verbalunfall häufig ein Reporter mit Bleistift und Notizbuch in der Nähe. Insofern soll die folgende Sammlung nicht als Ausdruck überproportionaler sprachlicher Defizite von Fußballern gelesen werden – das passiert Handballern und Busfahrern genauso, landet aber nicht in der Bild-Zeitung. Auch einem Germanistik-Professor, wenn er 90 Minuten einem Ball hinterhergelaufen ist, kann sowas passieren.

Das eine oder andere Zitat wurde den Balltretern auch in den Mund gelegt. So bestreitet etwa Andi Möller (Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund, Schalke 04), der angebliche Urheber der Mailand-Madrid-Saga, bis heute, bei seinem Wechsel nach Italien 1992 Madrid und Mailand in den gleichen nationalen Topf geworfen zu haben. Letztendlich ging er ohnehin woanders hin – zu Juventus nach Turin. Aber „Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl“ hat er tatsächlich gesagt. Und er konnte auch richtig geistreich sein: „Einige haben von einem recht guten Spiel gesprochen. Da frage ich mich, ob ich zum Augen- oder zum Ohrenarzt muss.“ Hier sind zehn weitere bemerkenswerte Aussagen von Spieler-Kollegen des Weltmeisters von 1990 und 85-fachen Nationalspielers:

„So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere.“ (Lukas Podolski, 1. FC Köln)

„Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“ (Lothar Matthäus, wie Andi Möller Weltmeister 1990 sowie Weltfußballer des Jahres 1991) [von uns schon im Zusammenhang mit dem Ostrich Effekt erwähnt]

„Solche Sachen soll man nicht unnötig hochsterilisieren“ (Bruno Labbadia, Bayern München, 1. FC Köln)

„Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer sagte: ,Komm Steffen, zieh deine Sachen aus, jetzt geht’s los‘.“ (Steffen Freund, Schalke 04, Borussia Dortmund)

„Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Äh, Ich meinte: ein gutes Quartett.“ (Fritz Walter jun., VFB Stuttgart)

„Was soll der Scheiß – ich kann kein Englisch.“ (Francesco Totti, AS Rom, auf die Frage, was er von dem
Motto Carpe Diem halte)

„Die habe ich noch nicht probiert, aber eigentlich mag ich Geflügel.“ (Thorsten Legat, Eintracht Frankfurt,
nach seinem Wechsel zum VfB Stuttgart auf die Frage, wie er Spätzle fände)

„Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ (Jürgen Wegmann, Bayern München, Borussia Dortmund)

„Hoch wermas nimma gwinna“ (Der österreichische Nationalspieler Anton Pfeffer in der Halbzeit bei einem 0:5
Rückstand gegen Spanien)

„Ein Drittel mehr Geld? Ich will wenigstens ein Viertel!“ (Horst Scymaniak, KarlsruherSC, bei seinem Wechsel nach Italien 1961).

#PreppoKompakt

„Schuster, bleib bei deinem Leisten!“ hieß es früher oft.

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