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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute horchen wir dafür auf die Einschätzung eines Diplom-Physikers, versinnbildlichen und personifizieren diese mit einem glänzenden Beispiel. Und schauen auf die neuesten Zahlen zum Kindesmißbrauch im Land.
1. Spitz-findig-keit
Sag die Wahrheit – Vince Ebert, auch schon hier, folgt diesem hohen Anspruch, wie die NZZ vom 18.8.2025 berichtet (hinter Schranke). „Der Autor und Kabarettist … kritisiert, die Gesellschaft definiere die Realität zunehmend aufgrund der Stimmungslage, statt sich an Fakten zu halten. Damit könnten die Politiker schalten und walten, wie sie wollten.“ In seinem neuen Buch „Wot Se Fack, Deutschland?„* (dtv, München 2025, 305 Seiten, 17 €) wird der Franke, der von Hause aus Physiker ist und seit 2020 in Wien lebt, nach etwas Kabarett im zweiten Teil überraschend ernst.
Frage: „Wie kommt das? „Antwort: „Das ist auch meine Strategie in den Shows. Man muss die Leute mitnehmen, so dass sie nicht nur mit dem Kopf, sondern auch emotional mit dabei sind. Der zweite Teil behandelt Themen, die mir sehr wichtig sind, etwa die Frage, wie wir den Karren selbstverschuldet in vielerlei Bereichen so in den Dreck gefahren haben. Das tut mir weh, da bin ich auch persönlich getroffen, weil mir dieses Land am Herzen liegt.“
Und er wird ganz konkret: „Ende 2022, als noch sechs Kernkraftwerke liefen und man überlegte, die weiterlaufen zu lassen, um die hohen Energiepreise durch den Ukraine-Krieg noch ein bisschen abzupuffern, schrieben mich aufgrund meines Buchs ‚Lichtblick statt Blackout‘ zehn, zwölf Politiker persönlich an. Sie gaben mir explizit recht mit meiner Meinung, wonach wir diese Dinger weiterlaufen lassen müssten, um zu gewährleisten, dass unsere Energieversorgung sicher und günstig bleibt. Und zwei Wochen später haben die dann dagegen gestimmt. Man guckt sich diese Liste durch und denkt sich, das gibt es doch jetzt nicht, der hat mir doch gerade gesagt, eine Abschaltung ist totaler Schwachsinn.“
Aber er singt auch ein Loblied auf die Pop-Kultur der Achtziger und die Boomer. Frage: „Was ist das Besondere an dieser Generation?“ Antwort: „Ich glaube, diese Zeit, in der wir gross geworden sind, hat das Beste aus den Menschen herausgeholt. Ich bin ein klassisches Arbeiterkind, und damals war das revolutionär, dass ein Arbeiterkind aufs Gymnasium gehen und studieren konnte. Dieses Leistungsversprechen gab es, und es hat aus den Boomern und der Generation X das Tollste rausgeholt. Es herrschte bescheidener Wohlstand, aber eben noch Luft nach oben. Das ist der Grund, weshalb die Boomer in vielerlei Hinsicht so leistungsfähig und auch unbeschwert waren. Langzeitstudien zeigen, dass das tatsächlich in den letzten 100 Jahren die glücklichste Generation war.“
Das kann ich persönlich so voll und ganz unterschreiben und bestätigen.
2. Spitz-findig-keit
Diese ausdrucksstarken Figuren verdanken die Bürgerinnen und Bürger von Albstadt Peter und Miriam Lenk, Vater und Tochter, die 2011 in der Oberen Vorstadt sieben Stück hinterließen. Als Nr. 1 in der Bildmitte der „prähistorische Versuch der Menschwerdung eines Straußes“, festzumachen an den Brüsten, und im Vordergrund als Nr. 2 liegend die „Ritterin der französischen Ehrenlegion“. Letzteres unterlegt mit dem Text „Ritterschlag offenbar zu heftig: In einem Interview erklärte die grüne Pazifistin emphatisch: Ich liebe die Konflikte in der Türkei.“
Nun lieben die Tauben, ebenso wie Claudia Roth, das kühle Nass. Der Name Roth fiel schon mehrmals in der #37, #78 und #142. Die Kulturstaatssekretärin a.D. war und bleibt für mich der Inbegriff, der von Vince Ebert beschriebenen Inkompetenz, unheilvoll verquickt mit dem teilweisen Kontrollverlust von uns Deutschen im Feld der Politik.
3. Spitz-findig-keit
Die NZZ vom 21.8.2025 (hinter Schranke) zum Kindesmißbrauch in Deutschland. Letzten Donnerstag hat das Bundeskriminalamt das „Bundeslagebild Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“, will heißen die Mißbrauchszahlen für das Jahr 2024 veröffentlicht. Mit 16.354 Fällen verharrte die Zahl auf einem sehr hohen Niveau, es waren lediglich 21 weniger als im Jahr zuvor.
„Jede dieser abscheulichen Taten ist eine zu viel – und … die … Dunkelziffer ist riesig. … In einer kürzlich veröffentlichten Studie gaben 12,7 Prozent der Befragten an, im Kindes- oder Jugendalter sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Bezogen auf die erwachsene Bevölkerung in Deutschland entspräche das 5,7 Millionen Menschen.“
Hinzu kommt: „Die gefährlichsten Orte für Kinder sind die eigene Familie, der Fussballverein, der Kirchenchor. Viele Opfer brauchen einige Zeit, um den Missbrauch als solchen einzuordnen und darüber zu sprechen. Nicht selten befinden sie sich noch in einem Abhängigkeitsverhältnis vom Täter: vom pädophilen Vater, der das Studium finanziert, oder vom übergriffigen Trainer, der über die sportliche Karriere entscheidet. Andere schämen sich für das Erlebte, fühlen sich selbst schuldig oder haben berechtigterweise Angst, dass man ihnen nicht glaubt.“
Redakteurin Anna Schiller wirft die Frage auf, ob eine Verjährung der Straftaten, wie im deutschen Rechtssystem, oder keine Verjährung, wie in der Schweiz, der bessere Weg ist. „Für Straftaten, die nach dem 27. Januar 2015 begangen wurden, beginnt die Verjährungsfrist mit dem 30. Lebensjahr des Opfers – diese Regelung ist zumindest ein kleines Entgegenkommen. Weniger schwere Delikte verjähren so allerdings bereits fünf Jahre später, also wenn das Opfer 35 Jahre alt ist.“ In der Schweiz hingegen „… hat man 2013 beschlossen, dass sexueller Missbrauch an Kindern unter zwölf Jahren nicht verjährt. Ein Beschluss, der dem Leid der Opfer gerecht wird.“
#PreppoKompakt
Wir zählen keine Schwäne, wie jüngst auf der Themse. Aber es interessiert mich schon, ob Sie wissen/Ihr wißt, wieviel Tiere auf dem Video maximal zu sehen sind. Die Kommentarfunktion steht Ihnen/Euch offen, aber nur die erste richtige Antwort wird „scharfgestellt“.
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Eine Antwort
Hallo Jürgen,
einen Versuch ist es wert.
Ich habe auf dem Video 9 Tiere gesehen.
Viele Grüße
Christa