Spitz-findig-keit

5 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstösse zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeit #25

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute präsentieren wir einen bunten, mehr oder weniger zufällig zustandegekommenen Mix. Was den roten Faden anbelangt, sofern man davon überhaupt sprechen kann, dann ist es die Bundestagswahl in zwei Wochen.

1. Spitz-findig-keit

Drei regelrecht geniale Dinge, aufgeschnappt auf der Achse des Guten: Das Fundstück betreffend Annalena von Robert von Loewenstern (siehe unten). Plus ein prägnantes Soziogramm der Grünen von Tamara Wernli in ihrem Beitrag „Männer unerwünscht„, das schon hier mit „wohlstandsverwahrlost“ beschrieben und hier in eine Rede an die „Luxuskinder“ von Carlos A. Gebauer verpackt ist. Tamara Wernlis kurzes Fazit (11:22 – 34 zu hören): „Es sind die Diskussionen eines gut situierten Milieus, mit den Alltagsproblemen vieler Menschen die weniger Chancen haben, also jenen für die die Grünen vorgeben, Politik zu betreiben, haben sie weniger zu tun.“

Hier geht es umstandslos zum 91 Sekunden langen Highlight!

2. Spitz-findig-keit

Das Buch (und fünf weitere) hat mir Helmut vor 11 Tagen in Wiesbaden in die Hand gedrückt. Der Historiker Prof. Dr. Paul Münch hat an der Universität Tübingen gelehrt und in alten Schriften gekramt – d.h. in Texten und Dokumenten “ … vom ausgehenden 15. bis ins beginnende 19. Jahrhundert …“ zur Entstehung der bürgerlichen Tugenden. „Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit“, Ordnung draussen, Ordnung drinn. Rein die Red, rein der Sinn (dtv dokumente, München 1984). Schon im Vorspann steht zu lesen, dass diese Verhaltensleitbilder „… von Elternhaus und Schule, Kirche und Staat vor allem deren unteren Schichten vermittelt wurden.“

Nur zwei Beispiele (von 55) hier herausgegriffen:

  • Christian August Struve und seine Erklärung von Sprichwörtern aus dem Jahre 1798 zur Erziehung der Kinder. „Eine faule Jugend macht ein lausiges (elendes) Alter.“ (S. 310). Hinzu gibt Struve noch folgenden Rat: „Allein nicht nur die Kinder der Armen, sondern auch die der Reichen müssen zur Arbeitsamkeit und zum Fleiße angehalten werden. Es wäre Unverstand, solchen Kindern von dem Reichthum ihrer Aeltern und von ihren zu erhoffenden Glücksgütern zu erzählen, ja wohl gar ihnen zu sagen sie wären reich, und hätten nicht nöthig etwas zu lernen. Wer weiß seine künftigen Schicksale?“
  • Die Predigten von Johann Rudolph Gottlieb Beyer aus 1800/01 über Sprichwörter. „Reinlichkeit ist halb Leben.“ (S. 320). „Auch die Reinigkeit der Luft, die uns umgiebt und die wir einathmen, trägt zu unserem Wohlbefinden viel bei, und wir fühlen gar merklich den Unterschied zwischen einer eingeschlossenen, von den Ausdünstungen vieler Menschen verunreinigten Stubenluft, und der reinen freien Luft, die uns in der offenen Natur anwehet. Wir thun also wohl, und bezeigen unserem Körper eine Güte, wenn wir auch in unsern Wohnungen die Luft, so viel möglich, rein zu erhalten suchen, und den Zugang der frischen Luft von Außen nicht ganz verschließen.“

Hat sich heute viel geändert? Das mit dem Lüften kommt uns doch 220 Jahre später verdammt bekannt vor. Wie auch der Fokus auf die „unteren Schichten“.

Paul Münch lebt übrigens in unmittelbarer Nachbarschaft in Wessingen, einem Ortsteil von Bisingen im Zollernalbkreis.

3. Spitz-findig-keit

Und schließlich ein immer lohnenswerter Blick in „Die Wahlverwandtschaften“ von Johann Wolfgang Goethe (dtv, München 1982, 2. Aufl.). Auf S. 192 beschreibt er ein Leben ohne Liebe als „Comédie à tiroir“, das heißt, ein schlechtes Schubladenstück. „Man schiebt eine nach der anderen heraus und wieder hinein und eilt zur folgenden“. Und auf S. 193: „Wie oft werden wir von einem scharf ins Auge gefaßten Ziel abgelenkt, um ein höheres zu erreichen!“ Muss mir immer schon gefallen haben, denn zusätzlich zu meinen Unterstreichungen liegt an dieser Stelle im Buch als Lesezeichen die Eintrittskarte zu den beiden Schlössern im Park von Versailles, Grand & Petit Trianon.

Eintrittskarten von Besuch in 1984.

Dabei kommt einem zu Tiroir und Trianon einfach das Wort Triell in den Sinn, das ich bis vor zwei Wochen überhaupt nicht kannte. Wohl weil wir im Wahlkampf gerade eine Art „Comédie à Triell“ erleben! Heute um 20:15 bei ARD/ZDF.

Und hier geht es zu den sozialen Medien und deren Nebenwirkungen.

#PreppoKompakt

Wasser predigen und Wein trinken. Eine ständige Versuchung für Menschen der „oberen Schichten“, die in Wahlkampfzeiten ausgesprochen kontraproduktiv sein kann.

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