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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute schauen wir dafür lieber, was uns die Rente in Zukunft beschert und welchen „Eliten“ im Politik- und Medienbetrieb wir gegenwärtig ausgeliefert sind.
1. Spitz-findig-keit
NZZ „Der andere Blick am Abend“ vom 23.6.2026 mit „Thema des Tages: Nicht reden, sondern umsetzen: Die Rentenreform liefert die Chance, die Stimmung im Land zu drehen.“ Und: „Merz kann sich nun als echter Reformkanzler profilieren und die getrübte Stimmung im Land drehen. Es könnte sein politischer Befreiungsschlag werden. Dafür muss er jetzt Durchsetzungskraft beweisen und zügig einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung vorlegen.“
Auch Daniel Mohr auf faz-net tags darauf kommentiert trocken: „Die Vorschläge der Rentenkommission gehen in die richtige Richtung. Länger zu arbeiten, darauf haben sich die meisten Menschen eingestellt. Dass die gesetzliche Rente allein nicht reicht, das Gefühl hat die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung schon länger. Insofern ist es sinnvoll, möglichst schnell zu verhindern, dass viele der Boomer abschlagsfrei zu früh in Rente gehen und ihre Produktivität dem Arbeitsmarkt fehlt und sie stattdessen die Rentenkasse belasten.
Dass die großen Kohorten der Geburtenjahrgänge 1960 bis 1966 irgendwann in Rente gehen werden, war lange abzusehen. Dass Länder wie Schweden darauf eine Generation vorher reagiert haben, war vernünftig. Dass Deutschland nun auch eine Kapitalrente einführen könnte, kommt spät, verliert dadurch seinen Sinn jedoch nicht, mit den hohen Renditen der Kapitalmärkte dank weltwirtschaftlicher Erfolge das deutsche Rentensystem ein Stück weit zu entlasten.“
2. Spitz-findig-keit
Alexander Wendt auf „Tichys Einblick“ vom 23.6.2026 zu „Deutschlands Schwachkopf-Problem“. Er umschreibt dazu den „Typus des Hochleistungsschwätzers“ wie folgt:
„Die Betreffenden verfügen nur über eine Fähigkeit: nämlich die, flüssig zu reden. Sie entwickeln in der Regel ihre Gedanken nicht selbst, sondern übernehmen vorgefertigtes Material, weshalb sie auch alle sehr ähnlich klingen. Über vertiefte Kenntnisse verfügen sie auf keinem Gebiet, sie sehen sich daher als die geborenen Generalisten. Thesen stützen sie meist auf persönliche Zu- und Abneigungen oder zumindest milieutypische Marker, verlangen aber für beides objektive Geltung. Ihren Professoren – zumindest der älteren Riege – fallen sie dadurch auf, dass sie zwar zu fast allem etwas sagen, aber kaum eine Aufgabe eigenständig bewältigen können, also ohne vorgegebenen Lösungsweg und einen sachdienlichen Hinweis, wie das erwartete Ergebnis ausfallen soll. All diese Eigenschaften kombinieren sie mit einem titanharten Selbstbewusstsein, das man sich vor ein paar Jahrzehnten noch in teuren Motivationskursen implantieren lassen musste. Bei ihnen gehört das Überlegenheitsgefühl zur Grundausstattung.“
Vor diesem Typus warnen, die wenigen Hochschullehrer, die ihn überhaupt thematisieren, seit Jahren. In der Folge treffen die aufgezählten Merkmale – so schätzt Alexander Wendt – „… auf achtzig bis neunzig Prozent aller Personen im Politik- und Medienbetrieb zu. [Und – JG] … finden sich in sämtlichen Parteien und in den meisten Redaktionen des Landes. In den meisten beherrschen sie den Apparat.“
#PreppoKompakt
Natürlich tragen da auch die Wählerinnen und Wähler eine Mitschuld, denn sie fallen auf solche Personen zu leicht herein. Mir kommt da der schon mehrfach bemühte Spruch „Früher zählte das Erreichte, heute reicht das Erzählte“ in den Sinn. Und wenn ich die Augen schließe, fallen mir neben den im Artikel herausgehobenen sechs „High Performern“, locker noch ein paar mehr ein. Und das trotz der tierischen Hitze. Die Tagesschau vom Freitag gibt wenigstens Tipps, wie man gut durch die heißen Tage kommt.


