Spitz-findig-keit

5 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstösse zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Wahlkampf und Wahlergebnis haben uns vor Augen geführt, dass unheimlich viel schiefgehen kann. Dabei hat es den Anschein, dass die Fettnäpfchen einigermaßen gleichmäßig verteilt waren. Die „Comédie à Triell“ oder auch der “Cirque à Triell” hatte den Nachteil, dass der Fokus allein auf drei Personen ruhte, während zum normalen Politikbetrieb das aktive Zusammenspiel vieler gehört. Während also die Suche nach den passenden Koalitionspartnern auf Hochtouren läuft, schauen wir ganz entspannt auf unsere heutigen Spitzfindigkeiten.

1. Spitz-findig-keit

Wieviele Parlamentarier sind es denn nun geworden: Die NZZ setzt das Ergebnis am Tag nach der Wahl sehr schön ins Bild. Die Mindestzahl von 498 wird im 20. Deutschen Bundestag um 237 überschritten.

Und faz-net vom 27.9.2021 (hinter Schranke) hebt hervor, dass es nicht so schlimm gekommen ist, auch die Zahl 900 schien möglich – um die Frage anzuschließen, was dies für die Arbeitsfähigkeit des Parlaments bedeutet. Dies werde sich „… herausstellen, wenn die Fraktion(en) zusammenkommen und Ausschüsse gebildet werden. Sicher wird es auch bald Berechnungen geben, wie viele Millionen Euro mehr auch dieser Bundestag den Steuerzahler kosten wird als einer, der sich nur wenig von der Mindestsitzzahl entfernen würde.“

Aber auch ohne Zahlen wird in einem Kommentar (insgesamt 15; überwiegend kritisch) dazu schon von „Selbstzweck, Selbstbedienung und Selbstversorgung – eine Industrie für den eigenen Geldbeutel“ gesprochen. Ironie des Schicksals: Dass es nicht ganz extrem geworden ist „… liegt vor allem an dem historisch schlechten Abschneiden der CDU – und zwar nicht allein bei den Zweitstimmen, sondern auch bei den Direktmandaten.“

Um nochmal in Erinnerung zu rufen (siehe #27) was Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt hat: „300 in Wahlkreisen direkt gewählte Abgeordnete würden völlig genügen.“ So gesehen hätten wir jetzt gar 435 zuviel.

Nachtrag vom 15.10.2021

Kein richtiges Trostpflaster für Armin Laschet, aber die CDU in Nordrhein-Westfalen bekommt aufgrund ihres Zweitstimmenanteils einen zusätzlichen Sitz. Nach dem vom Bundeswahlleiter Georg Thiel verkündeten endgültigen amtlichen Wahlergebnis sind es am Ende 736 Parlamentarier, nach Schmidt-Schnauze 436 zuviel.

2. Spitz-findig-keit

Franziska Giffeys mißlungener Versuch den Doktorgrad zu ergattern, hatten wir hier schon erwähnt. Ebenso, dass dies sie nicht hinderte, Spitzenkandidatin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters in Berlin zu werden. Nun ist die SPD vor einer Woche knapp vor den Grünen stärkste Fraktion im Abgeordnetenhaus geworden. „Die nächste Regierende Bürgermeisterin heißt also Franziska Giffey“, so die Welt vom 27.9.2021. In ihrem Wahlvideo auf youtube wirkt sie sehr sympatisch und authentisch, zudem passt die musikalische Untermalung.

Dabei ist das 56 Prozent-Votum im parallelen Volksentscheid für die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne für den künftigen Senat/Stadtregierung rechtlich unverbindlich. Es legt also nicht fest, ob deren Berliner Wohnungsbestände auch tatsächlich enteignet werden. Die NZZ vom 29.9.2021 spricht aber zurecht von einem fatalen Signal, das auf absehbare Zeit Investitionen in Berlin, selbst über den Wohnungsbau hinaus, dämpfen könnte.

Seit dem 13. Mai diesen Jahres ist von Berlin aus jeden Donnerstagabend eine aktuelle Ausgabe von „Tichys Ausblick“ zu sehen. Am 16. September hieß das Thema passend „Nach der Wahl die große Enteignung?“ – hier auf youtube. Hören Sie sich mal die Eingangsmelodie an, kommt Ihnen da etwas bekannt vor? Wurde Frau Giffey das untergejubelt oder hat sie einfach wie gewohnt plagiiert? Denn auch in ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule steckt – wie t-online am 21.8.2021 berichtete – wiederum jede Menge fremdes Gedankengut.

3. Spitz-findig-keit

Angela Merkel hätte locker und leicht Edward Munch, dem norwegischen Maler mit „Der Schrei„, als Motiv dienen können. Beim Besuch im Vogelpark von Marlow in Mecklenburg-Vorpommern hat sie mehrere bunte australische Loris auf den Händen, einen sogar auf der Schulter, und schreit plötzlich los – hier bei SWR3 am 24.9.2021 (aber auch in vielen anderen Medien) zu „bewundern“. Fast könnte man meinen aus Ärger über die vor einer Woche von der CDU/CSU vergeigte Wahl. Aber der Vogel hat sie ja schon zuvor versehentlich bei der Fütterung in die Hand gezwickt. Damit bestenfalls ein böses Omen – oder doch ein tierisches Orakel? Also, Schmerz lass nach bei der Frau Bundeskanzlerin. Wenigstens was zum Schmunzeln für alle in Ost und West am heutigen Tag der Deutschen Einheit.

Widmung

Doppelten Grund zur Freude und zum Feiern haben seit 1990 drei Geburtstagskinder, die heute auf zusammen 190 Lebensjahre zurückblicken können und in 65428, 72458 und 12589 wohnen. Dorthin gehen unsere besten Glück- und Segenswünsche. Nachdem auch Damen darunter sind keine Jahresangaben, nur soviel sei verraten: eine Person ist so alt wie die dreifache Quersumme der Postleitzahl ihres Wohnortes, die andere erreicht dies erst in fünf Jahren. Allen dreien ist diese Spitzfindigkeit gewidmet.

Und hier geht es direkt nach Österreich.

#PreppoKompakt

Das Ende der Ära Merkel nach sechzehn Jahren einfach zum Schreien. Acht Jahre früher – und Deutschland und die CDU stünden weitaus besser da! Aber noch haben wir das größte demokratisch gewählte Parlament der Welt und sind enorm nachsichtig bei Fehlern. Begrenzte Amtszeiten für die höchsten Staatsämter und eine vernünftige Wahlrechtsreform sind überfällig. Kürzer, aber besser und Klasse statt mittelmäßige Masse!

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