Spitz-findig-keit #265

5 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute dominiert dafür ganz klar die witzige Seite des Lebens.

1. Spitz-findig-keit

Im Infobrief des Vereins Deutsche Sprache (VDS) vom 4.4.2026 ist zu lesen:

„Der Postillon nahm sich zuletzt der Anglizismen an und veröffentlichte eine Liste mit 50 ‚eingedeutschten‘ Begriffen. Zwar ist der satirische Beitrag nicht ganz ernst zu nehmen, einige der Vorschläge haben jedoch durchaus Potenzial. So etwa die ‚Peintinktur‘ statt Aftershave, die ‚Wahnmünze‘ statt Bitcoin, ‚Hirnausschüttelung‘ statt Brainstorming oder der ‚Flanierkaffee‘ statt Coffee-to-go. Das ‚Gym‘, auch als Fitnessstudio bekannt, wird dort zur ‚Ertüchtigungsanstalt‘ und das ‚Selfie‘ zum ‚Eitelknips‘. Die Veganer werden beim Postillon zu ‚Krautbeißern‘, das pflegende Peeling zum ‚Schürfbalsam‘ und der insbesondere im Internet weitverbreitete ‚Hype‘ zum ‚Massentaumel‘. (der-postillon.com).“

„Der Postillon seit 1845“: die Veröffentlichung der Beiträge verzögerte sich etwas, erst am 28.10.2008 kamen laut Wikipedia die Leserinnen und Leser übers Internet in den Genuss. Er ist übrigens auch auf Youtube mit Videos unterwegs. Satire pur auf allen Kanälen.

2. Spitz-findig-keit

Im von uns schon häufig zitierten „Buch der Tagebücher“ Ursula von Kardorff (1911 – 1988) am 12.4.1944 vor genau 82 Jahren in Berlin: „Der neueste Witz: ‚Berlin ist die Stadt der Warenhäuser, hier war’n Haus und da war’n Haus.“ (S. 182 und S. 636 zur Person; wir kennen sie bereits aus der #123).

Schauen wir Heutigen einfach mal nach Beirut, Teheran, Haifa oder Kiew, alles Städte der Warenhäuser. Traurig aber wahr.

Und es geht auch weniger kriegerisch weiter, blicken wir nur in die Großstädte in unserem Land: hier war’n Warenhaus – Karstadt – oder da war’n Warenhaus – Hertie -, das Internet machts möglich. Es grenzt an ein Wunder, dass es das KaDeWe trotz Insolvenz in Eigenverwaltung noch gibt, aber die wohlbetuchten thailändischen Eigentümer in der Central Group schleußen eine Menge (auch asiatischer) Besucherinnen und Besucher durchs Haus und durch „… die sechste der insgesamt sieben Etagen, die sogenannte Feinschmeckeretage, mit einem riesigen Angebot an internationalen Delikatessen und exklusiven Imbissmöglichkeiten.“ Unter Berlinern frei Schnauze auch „Freßetage“ genannt.

3. Spitz-findig-keit

„Rot und Schwarz“, Chronik des 19. Jahrhunderts, von Stendhal (1783 – 1842), habe ich 1982, vor 44 Jahren, zum ersten Mal gelesen/durchgearbeitet – zusammen mit Andreas Heller und Werner Patzelt, meinen Kollegen an der Universität Passau. Und jetzt zum zweiten Mal, um es im Mai in unserem Literaturzirkel zu besprechen.

„Der Postillon“ kommt darin natürlich nicht vor, ein Postillon schon, zumindest ein reitender Bote im 18. und die Postkutsche im 23. Kapitel. Auf Projekt-Gutenberg Kapitel für Kapitel – immerhin 75 – angenehm nachzulesen. In Buchform bringt es die Dünndruck-Ausgabe mit allem Drum und Dran auf 620 Seiten.

Von Stendhal haben wir auch schon paßgenaue Zitate aus dem „Buch der Tagebücher“ entlehnt, so kürzlich in der #262 und in 2022 in der #66.

#PreppoKompakt

Zu sehen ist, dass ich Zahlenspiele mag: wie 4.4./44/82/28. Meist bringts der Zufall an den Tag.

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