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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute feiern wir dafür lieber den Sommeranfang und fangen ein, wie ihn ein „Bekenner und Moralist von Geblüt“ – von Thomas Mann so charakterisiert – empfand.
1. Spitz-findig-keit
Im „Buch der Tagebücher“ (S. 294; zur Person S. 627, auch mit der Aussage Manns) ein Eintrag von André Gide, Côte d’Azur, vom 21.6.1941:
„Die kürzeste Nacht des Jahres.
Diese letzten vier Tage waren schöner als man sagen kann: schöner, als ich es ertragen konnte. Eine Art Aufruf zum Glück, bei dem die ganze Natur sich zu einer wunderbaren Verzückung verschwor und einen Gipfel der Liebe und Freude erreichte, wo dem Menschenwesen nur noch der Tod zu wünschen bleibt. In einer solchen Nacht möchte man die Blumen küssen, die Rinde der Bäume streicheln; irgendeinen jungen glühenden Körper umarmen oder bis zur Morgendämmerung auf der Suche nach ihm umherstreifen. Allein schlafenzugehen, wozu ich mich gleichwohl entschließen muß, erscheint gottlos.“
Der 1869 in Paris geborene und ebenda 1951 verstorbene André Gide hatte 1947 für sein Lebenswerk den Nobelpreis für Literatur erhalten. Sein Leben war geprägt von Tiefen und Höhen, von wechselnden Orten und Sichtweisen, einschließlich sexueller Orientierungen, vieles davon eingefangen in seinem überwiegend bereits zu Lebzeiten veröffentlichten Tagebuch. Er kam 1952 zudem auf den Index Romanus, einer Liste der römischen Kurie mit verbotenen Büchern, „… deren Lektüre für jeden Katholiken als schwere Sünde galt; bei manchen dieser Bücher war als kirchliche Strafe die Exkommunikation vorgesehen.“ Der Index wurde übrigens im März 1967 abgeschafft, die verhängten Strafen aufgehoben.
2. Spitz-findig-keit
Eine ausgezeichnete Quelle für jegliche Informationen zum Kalender und zur Zeiteinteilung, wie dem Sommeranfang mit längstem Tag/kürzester Nacht, findet sich auf der im norwegischen Stavanger betriebenen Internetseite „time and date„.
„Auf der Nordhalbkugel der Erde – also unter anderem in Deutschland und im restlichen Europa – ist der kalendarische Sommeranfang am 21. Juni 2026 um 10:24 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Dies ist der Zeitpunkt der Sommersonnenwende. Die Sonne steht dann über dem nördlichen Wendekreis. Zu keinem anderen Zeitpunkt befindet sich der subsolare Punkt – also der Ort, über dem die Sonne im Zenit (genau senkrecht) steht – so weit im Norden.“
3. Spitz-findig-keit
Bleiben wir in Skandinavien, wo letzten Freitag Königin Silvia von Schweden ihr 50-jähriges Thronjubiläum begehen konnte. Faz-net vom 19.6.2026 würdigt diesen Umstand (hinter Schranke) folgendermaßen:
„Ihr Kopf sei deutsch, ihr Herz brasilianisch, ihre Seele schwedisch. So beschreibt sich die Königin selbst. Dass es überhaupt noch eine Monarchie in Schweden gibt, haben das Land und Carl XVI. Gustaf maßgeblich der Frau aus Deutschland zu verdanken. Silvia Sommerlath, 1943 in Heidelberg geboren, hatte einen deutschen Vater und eine brasilianische Mutter.“
Die ausgebildete Dolmetscherin war 1970 persönliche Assistentin von Willi Daume geworden, dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München als Chefhostess und 1976 in Innsbruck als stellvertretende Protokollchefin „… war sie für die VIP-Gäste verantwortlich und traf so den damaligen Kronprinzen aus Schweden. Er habe sie aus nächster Nähe mit einem Fernglas beobachtet, erzählte sie später. Was ihr ein wenig merkwürdig vorgekommen sei.“
Die Folgen: „Als … die schöne und selbstbewusste Silvia Sommerlath nach vier Jahren heimlicher Fernbeziehung auftauchte, atmeten die Schweden auf. Die Hochzeit mit der Frau aus dem Volk … versöhnte das Land mit seinem König.“ Danach wurde die Monarchie nicht mehr wirklich infrage gestellt.
#PreppoKompakt
Welch wunderbare Mischung von Kopf, Herz und Seele doch mittelbar der Sport in Form der Olympischen Spiele hervorzubringen in der Lage ist. Aber auch welch explosives Gemisch entstehen kann, wenn wir an das Attentat vom September 1972 in München denken.


