Spitz-findig-keit #279

7 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute lernen wir lieber etwas über das Verhältnis zweier Staatsmänner hinzu, räumen mit einer Legende auf und erschrecken dabei zutiefst noch einmal über die grün(d)liche Dummheit unserer famosen Ampelkoalition. Nebenbei bemerkt: auf der Achse des Guten vom 16.7.2026 nennt der ausgewiesene Kernkraftwerksexperte Manfred Haferburg die Grünen „… eine wildgewordene Vandalensekte, die sich für klüger als alle anderen hält … und … das Land an einen industriellen Abgrund führt.“

1. Spitz-findig-keit

Aus dem „Buch der Tagebücher“ ein Eintrag aus 1982, d.h. heute genau vor 44 Jahren: Ronald Reagan, Ottawa (Weltwirtschaftsgipfel), (S. 344; zur Person S. 651, wie auch ausführlich auf Wikipedia).

„Mit der Air Force One nach Ottawa & anschließend mit der Marine One nach Montebello – das größte Blockhaus der Welt. Das Hotel ist ein architektonisches Prachtstück, vollständig aus Holz. Hatte ein Vieraugengespräch mit Kanzler Schmidt. Er war wirklich am Boden & in einer pessimistischen Stimmung über die Weltlage.“

Ronald Reagan (1911-2004), Filmschauspieler und 40. Präsident der USA führte Tagebuch über seine ganzen acht Jahre im Weißen Haus, beginnend am 20.1.1981. Gewidmet hat er es übrigens seiner Frau Nancy. Seine Beschreibung des Gesprächs mit Bundeskanzler Helmut Schmidt zeugt von dem persönlich guten Verhältnis, wie auch – im Großen und Ganzen – beider Nationen. Für den 5. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ging am 1.10.1982 mit dem verlorenen konstruktiven Misstrauensvotum eine über 8-jährige Amtszeit zu Ende.

Die offizielle Seite des Bundeskanzleramts fasst die damalige Lage folgendermaßen zusammen: „In den Jahren 1976/77 begann die Sowjetunion damit, nukleare Mittelstreckenwaffen des Typs SS 20 zu stationieren. Sie waren auf Europa gerichtet. Die NATO fasste daraufhin den ‚NATO-Doppelbeschluss‘. Dieser sah die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen – überwiegend in der Bundesrepublik – vor, wenn die Verhandlungen mit der Sowjetunion ergebnislos verlaufen würden. Viele Menschen wehrten sich gegen die Aufrüstung mit Atomwaffen. Es entstand eine breite Friedensbewegung, die auf Abrüstung drängte. Doch zunächst scheiterten die Verhandlungen mit der Sowjetunion. Die NATO stationierte die Raketen. Erst 1987 einigten sich die USA und die Sowjetunion auf Abrüstung. Innenpolitische Auseinandersetzungen über den Doppelbeschluss und über die künftige Haltung der NATO gegenüber der Sowjetunion führten zu einer Krise im Bündnis zwischen SPD und FDP. Dazu kamen grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die Wirtschafts- und Finanzpolitik. Das führte im Herbst 1982 zum Ende der sozialliberalen Koalition.“

Auch wir haben Helmut Schmidt wegen seines gesunden Menschenverstands und integeren Charakters schon mehrfach – u.a. in #27 und #133 – gewürdigt.

2. Spitz-findig-keit

Die NZZ „Der andere Blick mit Daten“ vom 11.7.2026 zeigt anschaulich, wie wir Bundesbürger an gewohnten Denkmustern festhalten und dabei von den Medien, voran Presse und Rundfunk, unterstützt oder sagen wir, manipuliert werden. „Die Legende vom Stillstand französischer Kernkraftwerke“ dient als aktueller Beleg.

„Vor kurzem stiegen die Temperaturen in Europa bedrohlich an, und deutsche Journalisten und Politiker blickten sorgenvoll nach Frankreich: Die Sonne, hiess es, ‚knipst‘ die französischen Atomkraftwerke aus. Beim SWR stand sogar die Frage im Raum, ob der Klimawandel den Atommüll gefährden könnte. Zeitweise klang es so, als würde die globale Erwärmung vollenden, was die deutsche Anti-AKW-Bewegung jenseits des Rheins nie erreichte: die Atomkraft nun auch in Frankreich obsolet zu machen. Die eigentliche Geschichte rückte dabei in den Hintergrund. Und die spielte nicht an der Rhone oder an der Garonne, sondern vor der eigenen Haustür. Deutlich anfälliger für die heissen Juniwochen erwiesen sich nämlich nicht die 57 französischen Atommeiler. Es waren die mehr als 30 000 deutschen Windräder.“

Wie die ausgewerteten Daten/Zahlen der NZZ zeigen, lieferten Frankreichs Kernkraftwerke trotz Hitzewelle stabil Strom, während die deutsche Windstromproduktion weitgehend einbrach. „Der Grund: eine sogenannte Hitzeflaute – viel Sonne, kaum Wind.“ So lieferten am 23. und 24. Juni die Windräder im Tagesmittel nur noch rund 45 Gigawattstunden Strom, die „… Kernkraftwerke erzeugten rund 900 Gigawattstunden – etwa zwanzigmal so viel.“ Übrigens wurden wegen hoher Flußtemperaturen einzelne Reaktoren in der Leistung zurückgefahren oder zeitweise vom Netz genommen. „Bei flussgekühlten Reaktoren … ein bekanntes Vorgehen: Wird das Wasser zu warm, müssen sie ihre Leistung senken – aus Umwelt-, nicht aus Sicherheitsgründen.“

Die NZZ zeigt neuerdings in ihrem Stromtracker „… wie Deutschland … seinen Strom produziert, zu welchem Preis der Strom an der Börse gehandelt wird und wie CO2-intensiv der deutsche Strommix ist – auch im Vergleich mit den Nachbarländern.“ Ein interessantes Medium für alle, die auf Wahrheitssuche sind (hinter Bezahlschranke, aber kostenlos zu testen).

3. Spitz-findig-keit

Aktuelle Daten liefert das Statistische Bundesamt in Wiebaden zu Unfällen mit E-Scootern. Wir hatten das Thema schon im August 2019 unter der Überschrift „E-Scooter – großes Experiment auf Radwegen und Straßen“ aufgegriffen mit drei Nachträgen – und danach immer wieder sehr kritisch abgehandelt, siehe z.B. nur die #178 und #229. Wie nun auf faz-net am 16.7.2026 (hinter Schranke) zu lesen ist, „… endet [die Fahrt damit] für viele Kinder und Jugendliche im Krankenhaus.“

„Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit verletzten oder getöteten Menschen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die Polizei registrierte 2025 etwa 16.500 solcher Unfälle, wie das Statistische Bundesamt … mitteilte. Das seien etwa 38 Prozent mehr gewesen als ein Jahr zuvor. Im vergangenen Jahr sind demnach 38 Menschen bei Unfällen mit E-Scootern gestorben. 2024 waren es noch 27 Tote gewesen. 2025 wurden laut Statistikamt zudem etwa 1900 Menschen schwer und rund 16.200 Menschen leicht verletzt. Etwa 82,4 Prozent der Verunglückten seien selbst mit einem E-Scooter unterwegs gewesen, darunter 33 der 38 Todesopfer, hieß es. 5,5 Prozent der Verunglückten auf einem E-Scooter seien Mitfahrerinnen und Mitfahrer gewesen, darunter auch eines der 33 Todesopfer.“

Also verunfallten mehr als 2500 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, darunter die Gruppe der Jugendlichen von 15 bis unter 18 Jahren mit über 1500 am stärksten vertreten. „Kinder unter 15 Jahren sind … ebenfalls stark gefährdet: Obwohl das Fahren von E-Scootern im Straßenverkehr erst ab 14 Jahren erlaubt sei, verunglückten 500 bis 600 jüngere Kinder. Das seien rund 38 Prozent der jugendlichen Unfälle. Damit sei das Risiko für diese Altersgruppe besonders hoch.“

Unser Fazit im o.g. Beitrag vom August 2019 lautete übrigens: „Nur sehr selten hat man die Gelegenheit hautnah zu beobachten, wie schnell Vorhersagen Realität werden – in der Medizin nennt man so etwas Operation am offenen Herzen –, zudem vor solch großem Publikum. Mit der Einführung von Elektro-Tretrollern, auch E-Roller oder E-Scooter genannt, im Sommer 2019 in Deutschland hat sich diese Chance eröffnet. Dabei muss, es gehört nicht viel Fantasie dazu, der gesunde Menschenverstand reicht aus, mit gravierenden gesundheitlichen Schäden gerechnet werden.“

#PreppoKompakt

Damit die Fahrt mit dem E-Scooter für Jugendliche nicht zunehmend eine „Mobilität für den letzten Gang“ wird, gehört zumindest die Altersbeschränkung/das Mindestalter nach oben gesetzt mit einer verpflichtenden Fahrprüfung/einem Befähigungsnachweis. Wenn beim Unglücksgeschehen mit Erwachsenen der Alkoholspiegel während der Scooter-Fahrt eine dominierende Rolle spielt, so kann man eher postulieren: selbst schuld!

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