Spitz-findig-keit #278

5 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute geht es dafür ziemlich tierisch zu, wobei wir Menschen an alledem beteiligt sind.

1. Spitz-findig-keit

Der FAZ Frühdenker vom 7.7.2026 thematisiert, dass jedes Jahr vom 7. bis 14. Juli täglich sechs Ochsen durch den Ort/die rund 200.000 Einwohner zählende Stadt Pamplona in eine Arena getrieben werden. „Tod in der Arena: Jedes Jahr gibt es bei den Mutproben auf der 875 Meter langen Strecke Dutzende Verletzte, auch Tote sind zu beklagen. Nach den morgendlichen Läufen finden die Bullen bei den abendlichen Stierkämpfen den Tod.“ Tierschützer protestieren seit Jahren dagegen, aber weiterhin „… wird die Stierhatz von mehreren Fernsehsendern übertragen und führt Besucher aus aller Welt nach Pamplona.“

Auf Wikipedia sind Region, Stadt und die alljährlichen „Sanfermines“, die traditionell zu Ehren des Patrons der Diözese von Pamplona, Firmin der Ältere von Amiens, abgehalten werden, genauer beschrieben. Auch Ernest Hemingway war von alledem angetan und hat dies nicht nur in seinem Roman „Fiesta“ aus 1926 festgehalten, sondern auch selbst am Lauf durch die engen Gassen der spanischen Provinzhauptstadt teilgenommen.

Der Stern vom 9.7.2026 bilanziert, dass heuer bei der dritten Stierhatz gleich 13 Teilnehmer – alles Männer zwischen 18 und 68 Jahren – ernsthaft verletzt worden sind. Dazu gehören Prellungen, Quetschungen, Schnittwunden und Knochenbrüche sowie eine Gehirnerschütterung. „Seit 1924 gab es 16 Todesopfer, das letzte 2009.“ Es ginge also noch schlimmer, bei den Ochsen abends in der Arena überlebt übrigens keiner.

2. Spitz-findig-keit

Es liest sich wie ein modernes Märchen – die NZZ vom 3.7.2026 über das Klonen (hinter Schranke). „Am Anfang stand das Schaf Dolly. Inzwischen können auch Haustiere auferstehen. Eine Geschichte über das Geschäft mit der Hoffnung.“ Wunderbar eindringlich beschrieben von Flurin Clalüna und illustriert von Celina Pereira.

Die handelnden Personen sind die Engländerin Michelle Wilson mit ihrem Mops Teddy, aus dessen linkem Ohr wiederum unter Zuhilfenahme der Klonfirma „Gemini Genetics“ von Lucy Morgan und dem amerikanischen Unternehmen „ViaGen“ der Mops Junior entstanden ist. „Lucy Morgan züchtet die Zellen nur. Dann schickt sie sie in die USA, eines der wenigen Länder, wo Haustierklonen erlaubt ist und angeboten wird. Ein paar Monate später kommt ein geklontes Tier zurück.“

Der Hintergrund: „Früher hatten Hunde vor allem Aufgaben: Sie bewachten das Haus, kamen mit auf die Jagd, hüteten die Schafe. Heute sind sie für viele Besitzer Familienmitglieder. Mit dieser Nähe kam die Vermenschlichung: Hunde bekommen Geburtstagsfeiern und Instagram-Profile. So wie Teddy und Junior.“

Ein komisches Gefühl beschleicht einen, wenn man daran denkt, „… das Gleiche mit einem geliebten Menschen zu tun?“ In einem Gespräch von Michelle Wilson mit ihren beiden Töchtern wurde der Gedanke abrupt verworfen, weil ja dann die Mutter wieder ein Baby wäre und sich ihre Töchter um sie kümmern müßten. Nun hat die Welt beschlossen, keinen Menschen zu klonen, aber wer „… könnte zum Beispiel Eltern, die ihr Kind verlieren, verurteilen, wenn sie es tun wollen?“

Michelle Wilson würde es mit ihrem Mops jederzeit wieder tun. In einem Kryotank von Gemini Genetics liegen immer noch Teddys Zellen. Von möglichen Problemen mit den Leihmütterhunden und einer zu geringen Trächtigkeitsrate blieb sie verschont. Auch der Preis von 50.000 Dollar bedeutete für sie kein Hindernis. „Der Markt für Haustierklonen wächst schnell: 2024 lag sein Volumen bei 300 Millionen Dollar, bis 2035 könnten es bereits 1,5 Milliarden sein.“ ViaGen wirbt inzwischen mit dem Slogan: „Die Wissenschaft, die Liebe am Leben erhält.“

3. Spitz-findig-keit

Faz-net vom 7.7.2026 mit einer klaren Aussage (hinter Schranke): „Das Cannabis-Gesetz gehört abgeschafft.“

„Die Verharmlosung von Drogenkonsum hat einen Preis. … Und dieser Preis ist hoch, definitiv zu hoch: Das zeigt die am Dienstag veröffentlichte Zahl der Drogentoten im Jahr 2025. Seit 2021, damals kündigte die Ampel in ihrem Koalitionsvertrag die teilweise Legalisierung von Cannabis an, hat sich die Zahl der Drogentoten unter zwanzig Jahren verdoppelt. Die Drogentoten werden immer jünger. Das sollte auch den letzten Cannabis-Verharmloser nachdenklich stimmen.“ So kommentiert Thomas Jansen.

Auch die NZZ vom 8.7.2026 (hinter Schranke) widmet sich ausführlich diesem Thema. Die Folgen des gestiegenen Drogenkonsums lassen sich – wie bei den oben beschriebenen „Sanfermines“ – ganz einfach an Köpfen abzählen.

„Der Drogenmarkt hat sich grundlegend verändert – und laut Hendrik Streeck, dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung, ist dies nur einer der Gründe, warum die Zahl der Drogentoten in Deutschland gestiegen ist. 2150 Menschen sind im vergangenen Jahr an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben, wie Streeck am Dienstag bei der Präsentation der neuesten Zahlen bekanntgab. Damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf einem Höchstniveau. 2012 wurde mit 944 Todesfällen der tiefste Wert seit dem Jahr 2000 erreicht. Von da an ist die Zahl nahezu kontinuierlich gestiegen.“

Und weiter: „Doch nicht nur in Deutschland, weltweit nehmen die Menschen deutlich mehr Drogen, wie der Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen und der Europäische Drogenbericht zeigen. Cannabis bleibt dabei die am häufigsten konsumierte Substanz. Zugleich gewinnen andere Stoffe an Bedeutung: Vor allem Kokain und synthetische Drogen haben sich stärker verbreitet. Grund dafür ist, dass die Kokainproduktion in Südamerika zugenommen hat; synthetische Drogen wiederum lassen sich unabhängig von Anbauflächen einfach und günstig herstellen.“

#PreppoKompakt

Schon 21 Mal haben wir uns auf dieser Seite mit dem Thema Cannabis auseinandergesetzt, zuletzt in der #259. Da fällt einem beim besten Willen nichts Neues mehr dazu ein. Nur weiter – Schritt für Schritt – zum Sieg der Vernunft!

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