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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute schillert es dafür stark aufgrund einzelner Persönlichkeiten aus der Kultur- und Sportszene und einem ganz besonderen Fortbewegungsmittel.
1. Spitz-findig-keit
Wir schauen wiederum ins „Buch der Tagebücher“: 1956, d.h. heute genau vor 70 Jahren, hält Noël Coward in Dublin folgendes fest (S. 454; zur Person S. 622):
„Seit der Ankunft in Cherbourg am Montagabend macht mir die Presse das Leben zur Hölle. Sie bedrängen mich, verfolgen mich, fotografieren mich, rufen dauernd an und interessieren sich doch nur für das Thema Steuerflucht. Ginette [Spanier], Paul-Emile [Seidmann] und Marlene [Dietrich] haben mir Nacht und Tag in Paris erträglich gemacht, letztere war eigens länger geblieben, um mich zu sehen. Es war phantastisch. Wir blieben die ganze Zeit in der Wohnung, Marlene schlief auf der Couch in Paul-Emiles Behandlungszimmer, so daß ich das Bett im Gästezimmer haben konnte. Sie war ungeheuer hausfraulich und wusch alles, was ihr unter die Augen kam, selbst meine Haarbürste (die ganz sauber war), und gab mir ein wunderbares neues Schlaftablettenzäpfchen, das ich mir in den Hintern rammte, worauf ich wie ein Murmeltier schlief.“
Noël Coward (1899-1973) trat als Schauspieler auf der Bühne und in Filmen auf, komponierte Popsongs, schrieb Theaterstücke, Musicals, Kurzgeschichten und Gedichte und führte von 1941 bis 1969 auch ein Tagebuch. Zu seinem hochkarätigen Freundeskreis zählten neben Marlene Dietrich u.a. Winston Churchill und Prinzessin Margaret. Dabei war der Brite ein kräftiger Raucher und gemäß Wikipedia „… homosexuell und blieb zeit seines Lebens unverheiratet.“
2. Spitz-findig-keit
In der NZZ vom 23.9.2026 (hinter Schranke) wird auf einen außergewöhnlichen Boxkampf im Schwergewicht zurückgeblickt: „Vor hundert Jahren kämpfte Dempsey gegen Tunney – ein Jahrhundertkampf schreibt Sportgeschichte.“ Zum allererstenmal auf amerikanischem Boden sind 120.000 Zuschauer im Stadion von Philadelphia und der Kampf in „… der Königsklasse wird nach Punkten …“ und nicht durch K.O. (Knockout) entschieden.
„Minister der Regierung in Washington und Pennsylvanias Gouverneur Gifford Pinchot, Stummfilmstars wie Charlie Chaplin oder Norma Talmadge und der Jazzsänger Al Jolson, Bankiers, berühmte Pioniere und der Grossverleger William Randolph Hearst: Sie alle summierten sich zur ‚opulentesten und erlesensten Menge, die je einen Boxkampf sah‘. So schrieb es die ‚New York Times‘, die insgesamt 75 Artikel zu dem Ereignis druckte. Darum durfte sich der gewiefte Promoter Tex Rickard nicht nur über die dritte Millioneneinnahme im Preisboxen freuen, sondern auch über den gesellschaftlichen Rahmen. Er verlieh dem notorisch angezweifelten Showsport ungewohnten Glanz.“
James Tunney
Das riesige Interesse war insbesondere dem Herausforderer Tunney, Jahrgang 1897, geschuldet, „… einer Vorzeigefigur im doppelten Sinne … . Im Ring war er mit seinem methodisch durchdachten, eher defensiven Stil über 60 gewertete Kämpfe (58 Siege, 1 Remis, 1 Niederlage) zu einem der Top-Anwärter im Königslimit avanciert. Ausserhalb galt er als Patriot und Bildungsbürger, der treffsicher Literaten und Philosophen zitieren konnte. Kaum ein zweiter Preisboxer kam so elegant und filmreif rüber wie der ‚Fighting Marine‘ aus Manhattan.“
William Dempsey
Titelverteidiger Dempsey, Jahrgang 1895, war der Spross einer vielköpfigen Mormonen- und Arbeiterfamilie, der zunächst mit Jobs in Kohlegruben und auf Plantagen seinen Lebensunterhalt verdiente. „In Salt Lake City entwickelte er sich dann zu einem Preisboxer mit zerstörerischem Punch. Seine Strategie war simpel, aber effektiv: Er attackierte seine Widersacher so lange und so heftig, bis deren Widerstand gebrochen war.“ Genauso hatte er „… 1919 den turmhohen Champion Jess Willard in vier Runden abgelöst sowie danach vier Herausforderer besiegt.“
Die Börse
Dempsey bekommt 770 000 Dollar Börse, sein Herausforderer 200 000 Dollar. „Es ist Tunney, der mit unerbittlicher Führhand sowie präzisen Doubletten Akzente setzt. Er boxt und tanzt den Titelverteidiger nach allen Regeln der Kunst aus.“
Zwei Sieger
Der WM-Kampf ist sehr einseitig. Das spürt und weiß auch Dempsey und gratuliert seinem Bezwinger noch vor der Urteilsverkündung. Auch dadurch „… ist er für Amerikas anständige Bürger … nach seiner Pleite zu einem wirklichen Menschen geworden – und damit nur umso beliebter. Endlich entdeckte man in dem gefürchteten Dominator auch den tadellosen Sportsmann, der seine Niederlage akzeptiert; sowie den Ehemann, der die Gattin nach der missratenen Arbeitsschicht um Verständnis bittet: ‚Honey, I forgot to duck!‘ (Süsse, ich habe vergessen auszuweichen): Dieser Satz aus dem Kabinengang gehört zum festen Anekdotenschatz des Weltsports.“ So eindrücklich schildert Bertram Job dieses Jahrhundertereignis für die NZZ.
Zusatz
Mein Vater und ich haben übrigens ebenfalls geboxt, er über einen längeren Zeitraum, ich weitaus kürzer. Nicht um Geld, ganz einfach um fit und wehrhaft zu bleiben. Meinen einzigen Kampf (nur zur Schau, ohne Wertung) habe ich gegen Jürgen Troger in der Festhalle bei einem gut besuchten Amateurbox-Turnier des ASV Ebingen ausgetragen. Unser beider Trainer war, wie nicht anders zu erwarten, mein Vater Georg.
3. Spitz-findig-keit
Wer kennt schon einen Twizy? Auf jeden Fall weiß Wikipedia Bescheid. Die Serienproduktion begann 2011 im Werk der spanischen Renault-Tochter in Valladolid. Sie wurde 2019 nach Südkorea ins Renault-Samsung-Werk in Busan verlagert und dort im September 2023 endgültig eingestellt. Seit März 2012 war der Twizy in Deutschland erhältlich, bis 2018 wurden etwa 4800 Stück bei uns zugelassen. Die Verlagerung der Produktionsstätte nach Südkorea hatte einen längeren Bestellstopp zur Folge, erst ab Feburar 2020 nahm Renault wieder Bestellungen an. In all den Jahren waren die Verkaufszahlen stark schwankend.
Es existiert ein lebendiges Forum von Twizy-Fans und -Experten. Mit einem regen Austausch halten sie dieses Fahrzeug am Leben. Das Forum funktioniert wie ein alter Baukasten, vollgepackt mit einschlägiger Information und regelmäßig frequentiert aus ganz Deutschland und den Nachbarländern. Dabei agieren bodenständige, gutgelaunte Typen mit viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Unser Weg zum Twizy: Von meinem Hamburger Bruder im Mai diesen Jahres einen blauen Twizy-Cargo, Baujahr 2019, übernommen. Und vor wenigen Tagen von einem kompetenten Fachmann aus Steinheim einen grauen Twizy erworben. Baujahr 2012, sieht aber aus wie neu.



#PreppoKompakt
Macht einfach Spaß und Freude. Und zwar nicht nur der Fahrerin/dem Fahrer, auch bei den Menschen, denen man auf der Straße mit dem Twizy begegnet. Insbesondere Kinder und Jugendliche zeigen unverholen ihr Erstaunen über das nicht alltägliche Gefährt.


