Spitz-findig-keit

5 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstösse zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitz-findig-keit #31

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Bin vor kurzem auf Manfred Rommels Gedanken zur „Entmännlichung der Sprache“ gestossen. Diese sind als ‚Postskriptum‘ – P.S. – in einem im Engelhorn Verlag, Stuttgart 1993, erschienenen Büchlein enthalten (9. Auflage 1999). Beim Stöbern im Bücherregal kamen neben Manfred Rommels gesammelte(n) Gedichte(n)* auch seine Sprüche* (aus 1988) und Witze* (aus 1997) zum Vorschein. Eines davon hat mir übrigens in 2015 der TromPeter S. geschenkt. Ihm, der viele Jahre vom Turm der Martinskirche herunter – wie bei unzähligen Konzerten des Städtischen Orchesters – den Menschen Freude bereitet hat, ist diese #31 co-gewidmet.

Aus den Werken bestreiten wir heute mit Leichtigkeit unsere Spitzfindigkeiten – Rommel sei Dank, ebenso Ulrich Frank-Planitz, der alles gefunden, zusammengestellt und herausgegeben hat. Man könnte locker damit auch noch die nächsten vier Nummern der Spitzfindigkeiten bestreiten. Allein indem man sich der geistvollen, witzigen, oft auch launigen Spitzen des Oberbürgermeisters (von 1974 bis 1996) der Landeshauptstadt Stuttgart bedient, der dort 1928 auch geboren und in 2013 verstorben ist.

1. Spitz-findig-keit

Wenn Rommel Johann Wolfgang von Goethes „Über allen Gipfeln ist Ruh“ umdichtet, das heißt entmännlicht und verweiblicht, wie – „Über allen Spitzen ist Ruh‘. Bei aller Hitzen spürest du kaum eine Brise; die Tauben schweigen im Walde. Warte nur, balde, kommst auch du in die Krise“ – zeigt er mit geradezu hellseherischen Gaben zugleich auf, wo ein unpassendes Gendern und eine falsch ausgeführte Energiewende hinführen können. Einfach genial!

Dass er Sprache als Herrschaftsinstrument über Frauen problematisierte – in 1988 so festgehalten -, belegt die Überschrift: Die Entmännlichung der Sprache tut not (S. 123). Über drei Jahrzehnte später ist die Emanzipation der Frau so weit gediehen, dass es beim besten Willen keiner „Sprachakrobatik“ mehr bedarf.

Dazu noch vier Gedichte/Reime

  • Moralischer Fortschritt – Ach, wie trefflich ist’s bestellt, mit Moral in uns’rer Welt. Überall sind sie zu finden, die Bereuer fremder Sünden. Und so kommen wir stets näher, dem Ideal der Pharisäer. (S. 29)
  • Vorsicht – Ach, nun seien wir doch ehrlich. Wer etwas kann ist auch gefährlich. Drum wünschen wir uns eine Null auf manch einem Ministerstuhl. (S. 57)
  • Der Verlogene – Ausnahmsweise nicht gelogen heißt die Wählerschaft betrogen. (S. 62)
  • Reaktion auf Tschernobyl – Lieber hoher Oechslegrad als Becquerel im Blattspinat. (S. 91)

2. Spitz-findig-keit

Sowie vier Sprüche

  • Wenn man nicht sicher weiß, was die Zukunft bringt, ist dies kein Grund, das zu tun, was sicher falsch ist. (S. 48)
  • Die Kunst der Politik besteht häufig darin, heiße Eisen mit fremden Finger anzufassen. (S. 57)
  • Wie die meisten Feindschaften ist auch die Technikfeindschaft darauf zurückzuführen, daß Emotionen stärker sind als die Vernunft. Die Emotion, die hier in Rede steht, ist die Furcht. (S. 107)
  • Da wir Deutschen, wenn wir etwas tun, für Konsequenz und Perfektionismus berüchtigt sind, neigen wir auch im Fehlerhaften zu einer besonderen Hartnäckigkeit. (S. 110)

3. Spitz-findig-keit

Und vier Witze

  • Der alte Gesundheitsminister hat noch gewußt, wie man Hämorrhoiden schreibt, der neue weiß nur noch, wo sie sind. (Nr. 65)
  • Ein Beamter nähert sich einem Minister. „Herr Minister, der Dollar ist gesunken!“ Der Minister: „Hoffentlich konnte die Mannschaft gerettet werden.“ (Nr. 116)
  • Unmittelbar nach der Wiedervereinigung. Westberlin. Schlange vor Aldi. Ein Sachse schimpft: „Das ist ja wie in der DDR!“ Drei Plätze hinter ihm ein Türke. „Niemand dich gerufen!“ (Nr. 187)
  • Ein Bonner Politiker stürzt sich in ein Taxi. „Fahren Sie los!“ Der Taxifahrer: „Wohin?“ Der Politiker: „Egal, ich werde überall gebraucht.“ (Nr. 242)

Lösung zur #30

Zum hier gefundenen Einstein-Rätsel passend: der Wildenstein, zwei Beine und ein Thüringer.

Widmung zum Geburtstag

Einem verdienten Schulfreund co-gewidmet, der ab und an im Donautal picknickt, gerne fotografiert und hoffentlich dann und wann Roller fährt. Er ist heute exakt 37 Jahre jünger als die älteste Bürgerin von Sigmaringen. Mehr wird nicht verraten.

Und hier tauchen wir wieder ein in die Kryptowelt.

#PreppoKompakt

Dreimal vier weise Spitzfindigkeiten aus dem Munde/der Feder von Manfred Rommel. Auch heute noch lesens- und bedenkenswert, nicht zuletzt um Veränderungen zu erkennen. Das Moralisieren hat kräftig zugelegt, über zuwenig inkompetente Minister können wir uns wirklich nicht beklagen, mit der einen oder anderen Lüge haben wir gelernt zu leben. Mit Angst und Furcht wird kräftig Politik gemacht und perfekt sind wir Deutsche bei weitem nicht, ja zunehmend berüchtigt als „Bananenrepublik“. Nur in Sackgassen bewegen wir uns konsequent bis zum Gehtnichtmehr. Oder sehe ich da zu schwarz?

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Wohlbefinden

Eine Antwort

  1. Hallo Jürgen, vielen Dank für deine Glückwünsche und die persönliche Widmung in den Spitzfindigkeiten. Fast zu viel der Ehre. Der Humor von Manfred Rommel ist zeitlos treffend.

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