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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute schauen wir dafür, was für Nachrichten vor langer Zeit in Berlin kursierten, freuen uns über eingehaltene Versprechen und setzen auch weiterhin auf einen Sieg der Vernunft in diesem Land.
1. Spitz-findig-keit
Erich Kästner (1899 – 1974), heute genau vor 81 Jahren in Berlin. Wir haben ihn schon mehrfach bemüht, zuletzt in der #162. Der aktuelle Eintrag, festgehalten im „Buch der Tagebücher“ (S. 111, zur Person S. 636):
„Wenn wir den Krieg verlören, hat gestern Doktor Goebbels im Rundfunk erklärt, sei die Göttin der Geschichte eine Hure.“

Damit hatte Propagandaminister Joseph Goebbels es sich aber mit Athene – sie ist, so vermute ich gemeint – total verdorben. Gut 10 Wochen später, am 8. Mai 1945 war es dann so weit, der Zweite Weltkrieg ging mit der vollständigen Kapitulation der deutschen Wehrmacht zumindest in Europa zu Ende.
2. Spitz-findig-keit
In der #162 hatten wir uns auch dezidiert mit der Teillegalisierung von Cannabis beschäftigt. Nun wurde während des am 21./22. Februar in Stuttgart abgehaltenen 38. CDU-Parteitages mit großer Mehrheit im Sachgebiet „Recht, Justiz und Verbraucherschutz“ der folgende Beschluß gefasst:
„Die CDU Deutschlands fordert die Rücknahme der Legalisierung des Cannabiskonsums. Im Einzelnen fordern wir die Bundesregierung dazu auf: – das Cannabis-Gesetz aufzuheben und den Besitz, Anbau und Vertrieb von Cannabisprodukten wieder vollständig zu verbieten und unter Strafe zu stellen. – umfassende Programme zur Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken des Drogenkonsums zu entwickeln und umzusetzen. – strengere Kontrollen und Maßnahmen im Straßenverkehr einzuführen, um sicherzustellen, dass keine Personen unter dem Einfluss von Cannabis ein Kraftfahrzeug führen.“
Auf die mir gegebene Zusicherung von Thorsten Frei – festgehalten in der #255 – ist Verlass. Nun weiter Schritt für Schritt zum Sieg der Vernunft!
3. Spitz-findig-keit
Auch dieser teure Unfug – in der NZZ vom 26.2.2026 (hinter Schranke) thematisiert – gehört endlich bereinigt: „Scheinvaterschaften kosten den Staat Millionen: Jetzt soll der Betrugsmasche ein Riegel vorgeschoben werden. In mehreren tausend Fällen haben deutsche Männer ausländische Kinder anerkannt, die nicht ihre sind. Die Mütter bekamen so einen Aufenthaltstitel und Sozialleistungen. Der Bundestag berät jetzt über ein Gesetz gegen diesen Missbrauch.“
Betrugsmasche – so einfach wie lukrativ: „Männer mit deutschem Pass erkennen zum Schein Vaterschaften ausländischer Kinder an, manchmal dutzendfach. Die Mütter erhalten so einen Aufenthaltstitel und Sozialleistungen. Der Schaden solcher missbräuchlicher Vaterschaftsanerkennungen soll mehr als hundert Millionen Euro pro Jahr betragen.“
Stopp des Mißbrauchs – so kompliziert wie ineffizient: Seit 2008 gab es zwei mißratene Versuche des Gesetzgebers. „Das Bundesverfassungsgericht kippte eine Reform, weil Kinder durch Aberkennung von Vaterschaften staatenlos werden könnten und dies eine unverhältnismässige Härte darstelle. Als wenig effektiv erwies sich eine Reform, bei der Notare und Jugendämter aufgefordert wurden, vermutete Missbrauchsfälle an die Ausländerbehörde zu melden. So wurden Scheinvaterschaften, wenn überhaupt, sehr spät erkannt und liessen sich nur in wenigen Fällen wieder rückgängig machen.“
Ein einträgliches Geschäftsmodell
Zum Wohle des Kindes ist die Vaterschaft im Bürgerlichen Gesetzbuch §1592 einfachst geregelt. „Vater eines Kindes ist der Mann, der die Vaterschaft anerkannt hat“. Weitaus verbindlicher dagegen die Mutterschaft gemäß §1591 BGB: „Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.“
Kriminelle bauten darauf auf: Mittellose Männer übernehmen gegen Bezahlung die Vaterschaft. Da sie „… selbst von Sozialleistungen leben, übernimmt der Staat den Unterhaltsvorschuss für das Kind. Mutter und Kind bekommen einen Aufenthaltstitel und haben ebenfalls Anspruch auf Sozialleistungen.“
Bekannt wurde vor etwa zwei Jahren der Fall eines Nigerianers mit deutschem Aufenthaltstitel, der die Vaterschaft für 24 Kinder anerkannt hatte. Er „… und seine vermeintliche Grossfamilie erhielten Sozialleistungen in Höhe von mehr als 22 000 Euro pro Monat.“ Den Steuerzahler kostete dieser Betrugsfall mehr als 1,5 Millionen Euro. „Normalerweise sind es aber deutsche Männer aus sozial prekären Verhältnissen, die für 5000 bis 20 000 Euro die Vaterschaft anerkennen. Die jungen Frauen werden oftmals über professionell agierende Schmugglerringe nach Deutschland geschafft.“ So berichtet es Susann Kreutzmann aus Berlin für die NZZ.
Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 11.2.2026 zur besseren Verhinderung missbräuchlicher Anerkennungen der Vaterschaft (Drucksache 21/4081)
Künftig muss die Ausländerbehörde einer Vaterschaftsanerkennung zustimmen. „Allerdings nur, wenn der Mann Deutscher ist oder ein langfristiges Aufenthaltsrecht hat, die Mutter des Kindes aber nicht. Die Behörden bekommen mehr Möglichkeiten und können bei Verdachtsfällen früher einschreiten.“ War bislang aufgrund einer Gesetzeslücke solch ein Betrug nicht strafbar, droht jetzt zudem eine Haftstrafe.
#PreppoKompakt
Aller guten Dinge sind drei, das heißt, diese Reform muss jetzt gelingen. Der Bundestag möge die Beschlussfassung zügig herbeiführen.


