Spitz-findig-keit #274

5 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute wissen wir zunächst nicht so richtig, wo es langgeht. Bis uns auf dem Weg zum höchsten Kirchturm der Welt ein Licht aufgeht.

1. Spitz-findig-keit

Mein alter Freund, und als HF gerngesehener Autor auf dieser Seite, Helmut Federmann – zuletzt in der #260 -, echauffiert sich, wohl inspiriert vom Artikel im DerSpiegel vom 9.6.2026, über Friedrich Merz, der sich dort wiederum deutlich über die SPD echauffiert.

Der sozialdemokratisch gesinnte Nachhaltigkeitsökonom im Originaltext, das heißt ohne die ansonsten allfälligen Korrekturen:
„Mit GeLd und ‚Sondervermögen‘ ist es halt nicht getan….
Da steht nun mal immer noch diese verflixte Natur dazwischen….
Die beliebigen Tausgescheschäfte, neudeutsch ‚deals‘, wie sie im business oder in der Politk üblich sind,
lassen sich mit der Natur nicht so ohne weiteres machen….!

Der Nutzen des Menschen für die Natur ist = 0 (NULL)
Der Nutzen der Natur für die Menscheit ist gleich = UNENDLICH!

Zur Ermittlung eines ‚Preises‘ hilft hier auch nicht – noch so viel Mathematik oder Juristerei …..“.

2. Spitz-findig-keit

Eine weniger komplexe und damit einfachere Erklärung liefert die NZZ-Autorin Susanne Gaschke im „Der andere Blick am Abend“ vom 10.6.2026. „Regierung Merz: Sie können es einfach nicht besser.“

Denn nur drei von achtzehn Kabinettsmitgliedern hätten „… ernsthafte exekutive Vorerfahrungen: Verteidigungsminister Boris Pistorius von der SPD, der christlichsoziale Innenminister Alexander Dobrindt und die CDU-Familienministerin Karin Prien.“ Dann werden die Berufslaufbahnen von drei Mitgliedern aus den Reihen der SPD betrachtet und die fehlende Laufbahnbefähigung für den höheren Dienst, eine nur dürftige Wirtschaftserfahrung aus dem Online-Startup für Kochrezepte und die nur mäßige Beschäftigung mit ökologischen Fragen konstatiert.

„Entwicklungshilfe, Baupolitik und Umwelt mag man vielleicht als weniger wichtige Ressorts abtun. Aber auch die Koordination und Steuerung der Regierungsarbeit insgesamt scheint notleidend zu sein – wie die zuverlässig aufeinanderfolgenden Koalitionskrisen zeigen. Insofern stellt sich die Frage, ob Kanzleramtsminister Thorsten Frei in seiner Zeit als Oberbürgermeister der Kleinstadt Donaueschingen und als Unions-Fraktionsgeschäftsführer wirklich die Kompetenzen für seine komplexe heutige Aufgabe erwerben konnte.“ Dieser Aussage von Susanne Gaschke wage ich zu widersprechen, denn als Oberhaupt einer Stadt mit rund 22.000 Köpfen ist man den drängendsten Problemen ganz nahe. Ich hatte Thorsten Frei schon in der #202 vorgestellt und in #217 und #255 sein Schaffen und seinen Charakter aus persönlicher Kenntnis gewürdigt. Für mich ist er, wie auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, weiterhin ein ausgesprochener Hoffnungs- und Leistungsträger.

In Bezug auf Friedrich Merz wiederum hat die NZZ-Autorin definitiv recht. Er „… hat vor Antritt seines Amtes … noch nie etwas regiert.“ Sie sieht ihn und Vizekanzler Lars Klingbeil zudem als „… Opfer eines ganz bestimmten politischen Zeitgeists: Ihre Mannschaft ist zu Tode quotiert, jedweder Proporz scheint bei der Auswahl des Regierungspersonals wichtiger gewesen zu sein als Qualifikation oder Neigung.“

Den Parteifunktionären „… gilt es zu gefallen, in Sprache, Stil und ideologischer Zuverlässigkeit. Geistige Unabhängigkeit und intellektuelle Neugier hingegen werden zum Ballast für eine politische Karriere. Was Arbeitskollegen, Vereinskameraden, Freunde oder Familienmitglieder denken, verliert rapide an Bedeutung. Das schwarz-rote Kabinett spiegelt diesen Trend wider: Die seit einem Jahr amtierenden Ministerinnen und Minister üben von morgens bis abends, doch stolpern von Misserfolg zu Misserfolg. Nicht aus bösem Willen. Sie können es nicht besser.“

3. Spitz-findig-keit

Der FAZ Frühdenker vom 10.6.2026 erinnert an den genau vor 100 Jahren verstorbenen Baumeister des heutigen Wahrzeichens von Barcelona. Und sogar Papst Leo XIV. stattete im Rahmen seiner Spanienreise einen Besuch ab.

„Barcelona feiert … Antoni Gaudí und sein Lebenswerk, die Sagrada Família. [Er – JG] … starb … im Alter von 73 Jahren im Krankenhaus, nachdem er von einer Straßenbahn angefahren worden war.“ Neben der Messe im Meisterwerk des katalanischen Architekten wird der Papst „… auch den 172,5 Meter hohen Jesus-Christus-Turm [ein]weihen, der in diesem Jahr fertiggestellt wurde und die Basilika zur höchsten Kirche der Welt macht. An der Sagrada Família, Wahrzeichen und Touristenmagnet Barcelonas, wird schon seit mehr als 140 Jahren gebaut, ein Ende der Arbeiten ist nicht in Sicht.“

Wikipedia ausführlich zur Sagrada Família (hier das Foto eines unbekannten Autors vom Mai 2026) und mit einer Liste der höchsten Sakralgebäude der Welt. Die NZZ hat am 10.6.2026 (hinter Schranke) den Papstbesuch in Katalonien als den spirituellen Höhepunkt der Spanienreise gewertet und der eindrücklichen Reportage auch ein rund zweiminütiges Video zur Einweihung des Jesus-Christus-Turms angehangen.

Widmung

Heute keine Widmung, obwohl US-Präsident Donald Trump an diesem Sonntag mit viel Pomp seinen 80. Geburtstag feiern kann.

#PreppoKompakt

Unter den 13 höchsten Bauten der oben genannten Liste habe ich schon sieben besucht und vier davon bestiegen. Barcelona wäre eine Reise wert, nicht nur der Gaudi wegen.

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