Spitz-findig-keit #273

2 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute lernen wir dafür, warum viele ältere Menschen den jüngeren etwas voraus haben und durch welche Ereignisse Warhol, Oswald und Marilyn Monroe im weitesten Sinne verbunden sind.

1. Spitz-findig-keit

Die NZZ vom 31.5.2026 mit dem Aufmacher (hinter Schranke): „Warum ältere Menschen oft glücklicher sind als Junge. Während psychische Belastungen unter Jüngeren zunehmen, berichten viele Ältere von mehr Zufriedenheit. Die Forschung hat dafür eine überraschend einfache Erklärung.“

Denn Senioren beherrschen einen simplen Kniff: „Sie schauen dorthin, wo es etwas Schönes gibt, behalten freundliche Momente besser im Gedächtnis und hören eher das heraus, was sie an einer Begegnung mochten, als das, was sie ärgerte. Sie schauen scheinbar durch eine Brille der Heiterkeit und Grosszügigkeit auf die Welt.“

Es hilft nicht, sich um eine Reduktion des Negativen zu bemühen, wie „… weniger schlechte Nachrichten, weniger anstrengende Menschen und weniger Konflikte. … Was tatsächlich die Stimmung hebt – und zwar in jedem Lebensalter -, ist das aktive Aufsuchen dessen, was guttut. Wer nach einem zähen Tag bei der Freundin anruft, die einen zum Lachen bringt, tut mehr für seine Stimmung, als wenn er das Handy einfach nur weglegt. Wer im Frühling spazieren geht und an Blüten schnuppert, fühlt sich am Abend anders, als wenn er nur den Fernseher ausgeschaltet lässt. Die Bewegung hin zu etwas Schönem wirkt deutlich stärker auf unser Wohlbefinden, als die Bewegung weg von dem, was bedrückt.“

In der Kolumne „Psychologie des Alltags“ schreibt die Psychotherapeutin Franca Cerutti regelmässig über Alltägliches mit psychologischem Tiefgang. Einfach aktiv (nach)machen!

2. Spitz-findig-keit

Andy Warhol (1928 – 1987), genau heute vor 47 Jahren, nachzulesen im „Buch der Tagebücher“: „Truman [Capote] rief an. Ein Fan hatte ihm ein Telegramm geschickt und zu seinem Auftritt in der Stanley Siegel Show gratuliert. Es sei das Beste im Fernsehen gewesen, seit Ruby Oswald erschoß.“ (S. 272; zur Person S. 662).

Warhol wird als Außenseiter im New Yorker Gesellschaftsleben der 1980iger Jahre beschrieben, „… der den Zumutungen des Lebens mit ironischer Verzweifelung begegnete.“ In den 1960iger Jahren hatte Warhol Bilder von Marilyn Monroe gefertigt, die wir aus Filmen wie „Blondinen bevorzugt“ oder „Wie angelt man sich einen Millionär?“ sowie aufgrund einer Liason mit John F. Kennedy kennen – siehe #75.

Teil dieses Gesellschaftslebens war – wie in der #81 festgehalten – auch das Fürstenpaar Thurn und Taxis, Gloria und Johannes, wobei er sich gegenüber Warhol brüstete, mit Marilyn Monroe fast intim geworden zu sein.

3. Spitz-findig-keit

Letzten Montag hätte besagte Marilyn (1.6.1926 – 4.8.1962) ihren 100. Geburtstag feiern können, wenn – ein Grund um traurig zu sein – sie nicht schon mit 36 Lebensjahren das Zeitliche gesegnet hätte.

Im Gedächtnis – für immer unsterblich – bleibt ihr Auftritt mit dem Lied „Happy Birthday, Mr. President“ und mit ihrer Gardarobe bei der vorgezogenen Geburtstagsfeier von Präsident Kennedy am 19. Mai 1962 – siehe #60. Übrigens fuhr im Mai 2022 das von Andy Warhol 1964 gemalte Bild von Marilyn Monroe innerhalb von vier Minuten im Auktionshaus Christie’s den Rekordpreis von 195 Millionen Dollar ein, der höchste Preis, der je für ein auktioniertes Kunstwerk des 20. Jahrhunderts erzielt wurde.

Lee Harvey Oswald, der mutmaßliche Attentäter von John F. Kennedy (29.5.1917 – 22.11.1963), wurde am 24. November 1963 von Jack Ruby, einem Nachtclubbesitzer, erschossen (siehe Wikipedia). Und Truman Capote (30.9.1924 – 25.8.1984) war Schriftsteller, Drehbuchautor und gelegentlich auch Schauspieler. „Er wurde ab Mitte der 1940er-Jahre als Autor preisgekrönter Kurzgeschichten bekannt, außerdem durch Romane wie … Frühstück bei Tiffany und Die Grasharfe. Zu einem der bekanntesten Schriftsteller der USA stieg er durch den 1965 erschienenen Tatsachenroman Kaltblütig auf“ (Wikipedia).

#PreppoKompakt

Vieles im Leben der hier genannten Persönlichkeiten geschah kaltblütig und war grausam. Als älterer Mensch erinnere ich mich gerne an deren schöne Seiten und Zeiten. Und schaue definitiv – nicht erst seit kurzem – „… durch eine Brille der Heiterkeit und Grosszügigkeit auf die Welt.“

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