Spitz-findig-keit #285

7 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute geben wir dafür wichtigen Informationen den Vorzug über etwas, das ausgesprochen gesund und etwas, das ohne behandelt zu werden, tödlich ist. Das Ganze runden wir ab mit dem überfälligen Geständnis eines leitenden Beraters am Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) der USA.

1. Spitz-findig-keit

Jetzt haben wir es schriftlich und aus berufenem Munde: Singen ist gesund und fast alle können es. Auf faz-net vom 22.8.2026 (hinter Schranke) kommt der Neurowissenschaftler Eckart Altenmüller ausgiebig zu Wort. „Es verbindet, macht glücklich – und heilt. Trotzdem ist Singen in unserer Gesellschaft schambehaftet. Was das mit Adorno zu tun hat und warum wir dringend mehr singen sollten, erklärt …“ er anschaulich und nachvollziehbar.

Form der Selbstäußerung mit starker Bindungserfahrung

„Zunächst ist das Singen eine elementare Form der Selbstäußerung, die mir zeigt: Mein Körper funktioniert, ich werde wahrgenommen, ich habe etwas beizutragen. Meistens ist gerade das Singen in Gruppen ganz wichtig, also in Chören oder Ensembles. Da erfahren wir eine sogenannte erhöhte Selbstwirksamkeit. Wenn wir das Gefühl haben, gesehen und gehört zu werden und von der Gruppe akzeptiert zu werden, führt das im Gehirn zur Ausschüttung von einer ganzen Reihe von Neurohormonen, die Wohlbefinden fördern.“

„Wir Menschen wollen auf keinen Fall einsam sein. Wir sind immer auf andere Menschen angewiesen, schon von Geburt an. Das Singen in der Gruppe schafft eine starke Bindungserfahrung: Ich zeige der Gruppe, dass ich ein Teil von ihr bin, und die Gruppe zeigt mir, dass ich dazugehöre.“

Singen können fast alle und für Kinder ist es sehr nützlich

„Vielleicht zwei oder drei Prozent der Menschen haben Schwierigkeiten, Töne zu finden und zu halten. Aber 97 Prozent der Menschen können singen. Singen ist eigentlich etwas, das zu unserer Natur gehört. Schon das Babyschreien hat gesangsähnliche Elemente in sich.“

„Kinder, die singen, gewinnen mehr Selbstbewusstsein und verbessern spielerisch ihre auditive Wahrnehmung, ihre Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu richten, und ihre Körperbeherrschung. Denn Singen ist ja ein sehr anspruchsvoller koordinativer Akt, bei dem Atmung, Kehlkopf, Mundhöhle, Zunge und Lippen, Kiefer- und Gesichtsmuskulatur unter auditivem Feedback auf Millisekunden und Millimeter genau nach einer festen Bewegungssequenz angesteuert werden müssen. Dabei wird ein auditives Gedächtnis angelegt, das Kinder auch beim Spracherwerb unterstützt. Singende Kinder lernen schneller und besser sprechen und haben Vorteile beim Fremdsprachenerwerb. Auch bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen hilft das Singen.“

Nicht nur ein Erfolgsfaktor in der menschlichen Evolutionsgeschichte

„Singen als melodische Ausdrucksform war schon lange bevor es Musikinstrumente gab eine Möglichkeit, die Gruppe zu festigen und sich gegenseitig zu stützen in harten Zeiten. Wir Menschen waren ja immer bedroht, wir sind keine starken Tiere, wenn man so möchte. Und deswegen war das Singen ganz entscheidend in der Evolution für unseren Erfolg als Menschen. Die Sprache kam wahrscheinlich erst viel später dazu, vor allem wegen der Arbeitsteilung. Dafür war es wichtig, Informationen durch Zungen- oder Sprachgesten weitergeben zu können. Aber das Singen wurde beibehalten zur Aufhellung unserer Stimmung in harten Zeiten. Natürlich könnten wir auch ohne Musik überleben. Aber wir würden eben lange nicht so gut leben.“

Ein hohes Lied also auf das Singen

Das deckt sich voll und ganz mit meinen eigenen Schmochtitzer Erfahrungen. Prof. Altenmüller diagnostiziert aber auch einen in den 1960er und 70er-Jahren durch die Studentenrevolution ausgelösten Bruch. Kein geringerer als Theodor W. Adorno trat „… für eine Abkehr von dem nationalsozialistisch geprägten deutschen Liedgut ein. Anstatt gemeinsam zu singen und dabei rührselig zu werden, forderte Adorno eine bewusste und intellektuelle Auseinandersetzung mit der Musik. Wer jedoch in jungen Jahren nicht lernt zu singen, singt dann auch mit seinen Kindern nicht mehr. Zu groß ist das Gefühl, nicht kompetent zu sein. Dazu kam damals, dass die Gesangsausbildung an Schulen zunehmend zurückgefahren wurde und auch Kindergärtnerinnen und Kindergärtner das Singen nicht mehr lernten. Ein Teufelskreis, den wir jetzt mühsam versuchen zurückzudrehen.“ So Eckart Altenmüller in seinem Schlussplädoyer.

2. Spitz-findig-keit

Die „Schwäbische“ vom 24.8.2026 greift mit der Sepsis ein Thema auf, das uns im Blog schon zweimal intensiv beschäftigt hat. Mit einer gesunden Skepsis gegen Sepsis ankämpfen – siehe die Beiträge vom 20.8.2021 und 6.2.2024 – war ein, durch die unerwarteten Todesfälle eines sehr guten Freundes sowie eines im ehrenamtlichen Milieu außergewöhnlich aktiven Menschen, von Herzen kommender Warn-, Weck- und Aufruf zur Vorsicht vor dieser heimtückischen Krankheit.

Schwäbische: „Sie ist der schwerste Verlauf einer Infektion und unbehandelt immer tödlich. Aktuell wird Norwegens König Harald im Osloer Rikshospitalet wegen einer Infektion des Blutes behandelt. [Und verstirbt am 28. August – JG]. In Deutschland stirbt laut Aktionsbündnis Patientensicherheit alle sechs Minuten ein Mensch an einer Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt.“

Verwiesen wird zudem auf die aktuelle Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ vom Aktionsbündnis Patientensicherheit mit einem Selbsttest und zwei Sepsis-Checklisten (für Erwachsene bzw. Kinder). Wie schon seit 2012 wird am 13. September, heute in zwei Wochen, der Welt Sepsis-Tag/World Sepsis Day international begangen, um die allgemeine Bevölkerung, wie auch das medizinische Fachpersonal für das Thema Sepsis stärker zu sensibilisieren.

3. Spitz-findig-keit

Auf Tichys Einblick vom 25.8.2026 ist zu lesen: „David Morens, einst enger Berater Anthony Faucis, [des Direktors am NIAID von 1984 bis 2023 – JG] hat ein Geständnis abgelegt. Er hat die Finanzierung der Virenforschung in Wuhan durch US-Gelder verschleiert und wollte für Peter Daszaks Ruf kämpfen.“

Das US-Justizministerium hatte in Sachen unrechtmäßiger Verschleierung „… offizieller E-Mails zur Vergabe von Bundesfördermitteln“ ermittelt. Mittels dieser in 2014 geflossenen US-Gelder konnte in Wuhan die sogenannte Gain-of-function-Forschung an Coronaviren durchgeführt werden. Einen Teil erhielt direkt das Virologie-Institut Wuhan, den anderen die EcoHealth Alliance von Peter Daszak, der auch persönlich die Leitung dieses amerikanisch-chinesischen Forschungsvorhabens übernommen hatte.

Matthias Nikolaidis fügt noch hinzu, dass US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy 2025 jede weitere Mittelvergabe an Daszaks Nichtregierungsorganisation (NGO) gestoppt hat. „Die Ermittlungen des Ministeriums hatten ergeben, dass US-Steuergeld zur Finanzierung von Gain-of-function-Forschung in China genutzt worden war, namentlich um Viren ansteckender und damit tödlicher zu machen.“

Damit bestätigt sich nicht nur in der Sache, sondern auch im Verfahrensablauf, was Prof. Roland Wiesendanger am 3. Februar 2022 in einem Interview mit der NZZ zu in den USA offengelegten E-Mails gesagt hat. Er sei „… davon überzeugt, dass das Rätsel mit der Freigabe zweier weiterer Dokumente gelöst werden könnte“ – so von uns in der #47 am 13.2.2022 festgehalten. Auch wir lagen übrigens mit unserer Einschätzung „goldrichtig“ – siehe die beiden einschlägigen Beiträge vom 19.2.2021 und 15.6.2021.

#PreppoKompakt

Letzten Endes kommt alles heraus. Bei der Laborthese hat es rund sechs Jahre gedauert. Mit dem Geständnis von David Morens sind jegliche Zweifel ausgeräumt. Zum Artikel auf Tichys Einblick ein trefflicher Leser-Kommentar von fatherted: „Unter dem Strich scheint jetzt aber allen (außer natürlich den ÖRR Sendern) klar zu sein, dass das Virus aus einem durch US Gelder finanzierten chinesischen Labor stammt. Sprich….Millionen Tote und wirtschaftliche/finanzielle Schäden gehen auf das Konto der Auftraggeber (US-Behörden) und Auftragnehmer (China). Schadenersatzklagen dürften zumindest in China erfolglos bleiben….die Frage ist….ob das auch in den USA der Fall wäre….es gibt ja durchaus Beispiele, dass US Gerichte auch mal im Sinne der Opfer urteilen.“ Meine Prognose: das dauert noch mindestens 25 Jahre.

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