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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute geht es dafür um die Koinzidenz von Kunst und Leben, Donald Trumps neue alte Pressesprecherin und die gegenwärtig besten Lebensabend-Länder.
1. Spitz-findig-keit
„Das Leben ist eine teuflische Paraphrase, doch die Kunst verheisst Erlösung: Franz Marc suchte den Zugang zum Paradies durch die Pforte der Malerei.“ So titelt die NZZ vom 13.10.2026 (hinter Schranke). Paradiesische Zustände für die auf die Leinwand in kräftigen Farben geb(r)annten Tiere, für Marc selbst aber wohl kaum. Er wurde nur 36 Jahre alt, fiel 1916 im Ersten Weltkrieg, lediglich zwei Jahre später wie der Sohn Peter von Käthe Kollwitz (siehe #291). Wie ausgeprägt seine Vaterlandsliebe war und die Bereitschaft, dafür zu sterben, ist nicht bekannt/überliefert. Immerhin ritt ihn eine „… anfängliche Euphorie, die den Krieg als reinigendes ‚Fegefeuer‘ verherrlichte …“, die sich aber zum Zeitpunkt seines Todes längst verflüchtigt hatte.

Nun ist seit wenigen Tagen in Düsseldorf in der K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bis zum 24. Januar 2027 eine eindrucksvolle Ausstellung u.a. mit bunten Pferden, Katzen, Hunden, Rehen, Kühen, Affen und Raubtieren zu sehen, die vom 26. Februar bis zum 4. Juli 2027 zudem im Kunstmuseum Bern gezeigt wird (Ausstellungsansicht, Foto: Linda Inconi-Jansen). Gemäß Franz Marc eine Animalisierung der Kunst, die gleichermassen an den Sinn für Ästhetik, wie an unsere Tierliebe appeliert. Die Ausstellung „… präsentiert sein Werk, das wie auf der Überholspur entstanden ist“, befindet Jörg Restorff von der NZZ.
Und weiter: „In Gemälden wie dem ‚Blauen Pferd‘ oder dem ‚Turm der blauen Pferde‘ erhöht Franz Marc das Tier zum Sinnbild des Geistigen. Mehr noch: zum Symbol der Erlösung von irdischer Drangsal. Man mag es als schicksalhafte Koinzidenz von Kunst und Leben ansehen, dass der Mitbegründer der Künstlergruppe Der Blaue Reiter, schon unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs an die Front beordert, am 4. März 1916 während eines Erkundungsritts ausgerechnet auf dem Rücken eines realen Pferdes den Tod findet.“
2. Spitz-findig-keit
Ohne große Worte – Trumps neue Pressesprecherin Katie Zacharia stellte sich am Dienstag im Presseraum des Weißen Hauses vor. Dabei ließ sie in den 14 Minuten lediglich drei Fragen zu und hatte in Summe bei ihrer Premiere „… einen holprigen Start. Der Präsident lobte sie dennoch. Das ist kein Wunder – denn die mit Spott Überzogene passt perfekt in seine Welt.“
Frauke Steffens ordnet sie in faz-net vom 15.10.2026 als „Trumps neue Stichwort-Verleserin“ ein und beschert mit einem kurzen Video beste Eindrücke. Sie wolle eine sehr lange Zeit für den Präsidenten arbeiten, betonte die 41-jährige Zacharia zu Beginn. Gleichen Tags legt faz-net mit dem Washington-Korrespondenten Majid Sattar nach, der von einem verstolperten Debüt der Mutter von vier Kindern und einer unklaren Zulassung als Rechtsanwältin zu berichten weiß – das Video bleibt gleich.
Den Schlußpunkt setzt gestern Frauke Steffens in faz-net, nachdem ein Regierungsvertreter den Abgang von Katie Zacharia mit „Transitioning out“ umschrieben hatte. „Der Präsident gab sich anlässlich des Abgangs von Zacharia leutselig: Er habe sie nicht entlassen, sondern ihr nahegelegt, noch einmal über ihre Zukunft nachzudenken. Die scheidende Sprecherin sei von den Medien grob und unfair behandelt worden.“
Beobachter stellten derweil Bezüge zur ersten Amtszeit Trumps her. „Damals hatte der Präsident immer wieder Leute entlassen, sehr gern freitags. Überstürzte Ernennungen und schnelle Abschiede waren häufig, das Klima in Trumps Umfeld soll chaotisch und von Rivalitäten geprägt gewesen sein. In der zweiten Amtszeit und unter Stabschefin Susie Wiles wirkte das Weiße Haus zunächst disziplinierter.“
3. Spitz-findig-keit
DerStandard vom 14.10.2026 weißt Ruheständlern mit passivem Einkommen den Weg: „Sonne, niedrige Lebenshaltungskosten, wenig Papierkram: Der ‚Global Retirement Report 2026‚ zeigt, welche Länder für den Lebensabend die besten Bedingungen bieten.“
„Das Beratungsunternehmen [Global Citizen Solutions] bewertet Lebensqualität, Reisefreiheit und den Weg zur Staatsbürgerschaft, steuerliche Bedingungen, Antragsverfahren sowie Kosten und erforderliche Investitionen. Sechs der zehn bestplatzierten Länder befinden sich in Europa, drei in Amerika und eines in Afrika.“ Im DerStandard sind die „Top Ten“ kurz und prägnant beschrieben.
Insgesamt sind im Report 46 Länder gelistet. Deutschland sucht man übrigens darunter vergebens. Das heißt umgekehrt, uns steht die Welt offen!
#PreppoKompakt
Dass es der guten Katie Zacharia, geborene Black, nicht bis zum Ruhestand reichen würde, war vorhersehbar. Da brauchte Mann/Frau kein Schwarzseher zu sein. Wäre nach dem „Black-out“ in absehbarer Zeit auch „Trump raus“ aus dem Geschäft, wäre das wohl ein Grund, um anständig zu feiern.


