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Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.
Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Vorbemerkung
Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.
Heute schauen wir dafür traurig nach Nepal, „ergötzen“ uns an den Ergebnissen der neuesten Pisa-Studie und führen uns ein örtliches Denkmal vor Augen.
1. Spitz-findig-keit
Der Bericht in der NZZ vom 8.9.2026 (hinter Schranke) über die Flutkatastrophe in Nepal und deren Folgen, ruft automatisch eigene Erinnerungen wach. Im Beitrag vom 25.2.2021 war zu lesen, dass ich von meinem englischen Freund Mark Arnett zur Vorbereitung auf eine Nepal-Reise noch im letzten Jahrtausend ein Buch bekommen hatte. Darin war ziemlich am Anfang mit typisch britischem Humor beschrieben, dass der reisende Erzähler nicht damit rechnete, am Flughafen von Kathmandu vom König von Nepal empfangen zu werden – und dieser dann auch nicht erschienen sei. Damit keine enttäuschten Erwartungen. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man fest damit rechnet, dass etwas geschieht – und es ausbleibt.
Ahrtal 14. Juli 2021
Während sich all dies nur im einzelnen Kopf abspielt, ist mit Naturgewalten absolut nicht zu spaßen. Es braucht ein funktionierendes Frühwarnsystem, wie auch wir im Juli 2021 bei der Flut im Ahrtal mit rund 200 Todesopfern leidvoll feststellen mußten. Damals noch war die Krisenvorsorge ein Fremdwort, der deutschlandweite Warntag letzten Donnerstag mit heulenden Sirenen und Smartphones im lautstarken Alarmmodus funktionierte hingegen einwandfrei.
Himalaya-Region 26. August 2026
Nun sind auch die Dimensionen in der Himalaya-Region ganz andere, wie Ulrich von Schwerin aus dem indischen Mumbai für die NZZ berichtet. „Die Zahl der Toten in Nepal lag am [letzten – JG] Montag bei 1341, noch mehr als 5000 Menschen wurden vermisst. Strassen, Brücken, Wasserkraftwerke, ganze Ortschaften müssen wieder aufgebaut werden. Die Regierung schätzt, dass der Wiederaufbau 5 Milliarden Dollar kosten wird – ein Zehntel der jährlichen Wirtschaftsleistung Nepals. Für das arme gebirgige Land ist dies eine enorme Summe, zumal es sich noch immer nicht ganz von dem verheerenden Erdbeben von 2015 erholt hat.“
Zitiert wird Madhav Prasad Aryal, der Vorsteher der Gemeinde Uttargaya, wo noch 550 Menschen vermisst werden. „Wir haben Menschen verloren, wir haben Häuser verloren, wir haben Land verloren … . Die grösste Herausforderung ist der Wiederaufbau. In den ersten Tagen hätten sie viel Unterstützung erhalten, einige Helfer seien trotz den beschädigten Strassen 15 Stunden aus Kathmandu mit Hilfsgütern angereist.“
Wer von hier aus etwas helfen möchte, kann dies über das entsprechende Spendenkonto des Deutschen Roten Kreuzes ganz einfach tun. Wie sagt Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es“.
2. Spitz-findig-keit
Absturz in der Bildung – die neueste Pisa-Studie belegt das schlechte Abschneiden deutscher Schüler. Faz-net vom 8.9.2026 (hinter Schranke) mit Uwe Ebbinghaus, der den OECD-Koordinator der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, zum Abschneiden Deutschlands (hier kann man direkt auf die Ergebnisse zugreifen) und den Erfolgsrezepten der Spitzenreiter im Interview befragt.
„Wenn man ein Bildungssystem gut kennt, überrascht einen relativ wenig. Aber es gibt schon einiges, das mich an Deutschland erstaunt hat – etwa dass ein großer Teil der jungen Menschen sagt: Wenn ich mich zwischen Bauchgefühl und Evidenz entscheiden muss, vertraue ich Ersterem. Das sagt sehr viel über Bildung aus. Hinzu kommt, dass das Bauchgefühl in Zeiten von KI brandgefährlich ist, denn KI ist immer plausibel. Irritierend ist auch, wie schwer sich Schüler im Jahr 2025 damit tun, komplexe Informationen aufzunehmen. Schüler lesen heute oberflächlicher und schneller, sie sind weniger geneigt, Dinge zu vergleichen, zu bewerten, zu reflektieren. Was mich ebenfalls überrascht hat, ist, wie deutlich die Erwartungshaltung bei Schülern ausgeprägt ist, für mittelmäßige Leistungen gute Noten zu bekommen. Das, zusammengenommen mit einer unzureichend umgesetzten Digitalisierung, ist ein sehr schwieriges Umfeld. Ich habe das Gefühl, dass die sich abzeichnende Abwärtsbewegung in Deutschland einfach hingenommen wird.“
Zu China
Die vier einbezogenen chinesischen Regionen mit ihren 200 Millionen Menschen „… stellen bei den Naturwissenschaften 27 Prozent der leistungsfähigsten Schüler unter den 91 Ländern, die bei PISA teilgenommen haben. Diese Regionen sind nach ihrem sozialen Hintergrund und dem Bildungsgrad der Eltern eher mit Brasilien als mit Deutschland zu vergleichen, und trotzdem stehen sie bei PISA an der Spitze. Das traditionelle Bild, das man vom asiatischen Schulsystem hat – ihm wird ja oft ein maschinenhaftes Lernen unterstellt -, trifft absolut nicht zu. Ich rate jedem, sich eine chinesische Schule anzuschauen. Nur die besten kommen in den Lehrerberuf, und die Ressourcen werden intelligent eingesetzt. Lehrkräfte unterrichten in China oft noch 50 Kinder in einer Klasse, aber sie tun es nur elf, zwölf Stunden pro Woche. Das heißt, sie können sich wirklich um diese Kinder kümmern, sie können sich auch mit den Eltern auseinandersetzen und tun es regelmäßig.“
Selber testen
Auch SWR3 vom 9.9.2026 greift das Thema auf, indem er eine vergleichbare Aufgabenstellung aus Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften mit spitzfindigen Leser-Kommentaren verziert. „Die Pisa-Aufgaben sind wohl für viele zu schwer. Um sie zu lösen, muss man sich ein wenig konzentrieren. Wie fit seid ihr? Hier könnt ihr den Test machen – und sagen, was ihr davon haltet.“ Also ruhig mal versuchen!
Von den über 50 Kommentaren nur zwei, beispielhaft ausgewogen von Nina (wohl mittleren Alters) und Marianne (gehobenes Alter):
- „Schwierig die ganze Debatte. Und es wird m.E. von der falschen Stelle betrachtet. Unsere Kinder leiden unter Lehrermangel, maroden Schulgebäuden, zu wenig Erziehung zu Hause und viel zu viel „Social“ Media. Vielleicht sollte man lieber das Problem an der Wurzel packen statt die mickrigen Blüten zu bewerten. Unser Bildungssystem gehört in Gänze auf den Prüfstand und nicht nur der Output. Würden Eltern ihren Erziehungsauftrag ernster nehmen und Lehrer ihren Job, würden Gelder dort ausgegeben wo sie für die Bildung sinnvoll sind, dann sähe ich eine Chance. Einst waren wir das Land der Dichter und Denker. Wer heute nämlich mit „h“ schreibt, hält immerhin den Stift richtig herum. Klasse. [Nein, trifft nicht alle, gilt nicht für alle. Wie immer. Es sind die Spitzen, die auffallen. Oben wie unten.]“
- „Die gesamte Studie triggert mich enorm – und die Kommentare erst recht. Ich war 40 Jahre lang Grundschullehrerin, bin dreifache Mutter. Es stört mich, wie immer ‚den anderen‘ die Schuld zugeschoben wird. Ich erlebe seit vielen Jahren, wie ‚anders‘ Kinder heute zur Schule kommen. Sehr oft fehlen die grundlegenden Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen, z.B. Interesse, Neugier, Ausdauer, Resilienz, Konzentration, Wille, Merkfähigkeit, Fleiss, auch Sprachkompetenz, … Wer das nicht schon in den Kindergarten mitbringt, hat von Anfang an einen Rückstand und somit schlechte Karten! Diese Kompetenzen müssen zwingend von Anfang an im Alltag und Spiel mit Eltern und anderen Kindern erlernt & trainiert werden. Ebenso Rücksichtnahme, Anstand, Empathie, … Nur damit ‚funktioniert‘ eine Klassengemeinschaft und Lernen wird überhaupt möglich. Elektronik (auch Spiele!) so spät wie möglich!“
3. Spitz-findig-keit
Heute ist der bundesweite Tag des offenen Denkmals – Tipp: Besichtigung der Ebinger Friedhofskapelle, geöffnet von 13 – 17 Uhr. Wir haben schon in der #182 darauf hin- und den Weg gewiesen, sowie in der #277 einen Appell zur Erhaltung der Kapelle platziert. Übrigens sind auch die beiden Gebäude in der unmittelbaren Nachbarschaft sehens- und besuchenswert (links das Kirchlein zum Andenken an die in den beiden Weltkriegen Gefallenen – hier steckt wiederum Lieselotte Probst als gute Seele dahinter – und rechts das Urnenhaus, wo sich auch die Asche meiner Eltern befindet). Und dazwischen spielt sich ab, was wir im Video in der #135 aufgenommen haben.



#PreppoKompakt
Wenn wir schon beim Sterben sind. Auf jeden Fall sich damit Zeit lassen und nicht durch eine Unachtsamkeit das Leben verkürzen oder verkomplizieren. Dafür wird heute am Welt Sepsis-Tag/World Sepsis Day international geworben. Hier, wie schon in der #285, der Hinweis auf die Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ vom Aktionsbündnis Patientensicherheit mit einem Selbsttest und zwei Sepsis-Checklisten (für Erwachsene bzw. Kinder). Ziel ist es, die allgemeine Bevölkerung, wie auch das medizinische Fachpersonal für das Thema Sepsis – umgangssprachlich Blutvergiftung – noch stärker zu sensibilisieren. Bitte ernst nehmen!


