Spitz-findig-keit #267

5 Minuten

Spitz oder Spitze sind in aller Regel pointierte Aussagen zum Zeitgeschehen. Dies kann, muss aber nicht die Politik betreffen. Es kann auf die Gegenwart oder auch auf die Vergangenheit gemünzt sein. Spitz ist eine Aussage dann, wenn sie sticht, der betreffenden Person oder Personengruppe wehtut, spitze, wenn sie ausgezeichnet formuliert ist und im Idealfall zudem die Wahrheit abbildet. Fi/ündig, wenn der beschriebene Umstand nicht ganz offensichtlich, also erst zu ergründen ist. Und -keit lässt auf unterschiedliche menschliche Eigenheiten/-schaften schließen, wie beispielsweise Eitelkeit, Heiterkeit, Überheblichkeit oder, oder. Alles zusammengenommen eine echte Spitzfindigkeit. In unserer Kolumne ‚Spitz-findig-keit‘ zitieren wir in lockerer Folge jeweils zwei oder drei Aussagen und verschonen dabei auch nicht klassische Denkerinnen und Denker.

Um Denkanstöße zu geben, die Freude am Formulieren zu wecken – nichtzuletzt auch um dem Humor in unserer doch etwas trostloseren Zeit wieder mehr Geltung zu verschaffen. Erhöht das Wohlbefinden. Packen wir es an! Ich sage nicht, wir schaffen das. Aber wir probieren es auf jeden Fall!

Spitzfindigkeiten zuhauf!

Vorbemerkung

Es gibt nach Immanuel Kant auch eine falsche Spitzfindigkeit, die wir uns hier allerdings nicht zu eigen machen wollen. Wer dem dennoch nachgehen möchte – Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren – kann dies hier gerne tun.

Heute blicken wir dafür lieber mit klarsichtigen schweizer Augen – am Morgen und am Abend – auf unsere politische Szene. Und geben eine Prise Leicht- und Lustigkeit hinzu, der sich nicht einmal Katherina entziehen könnte. Denn die hat noch alle Zähne und (ge)braucht sie auch (in Anlehung an „Lachen kann wer Zähne hat“ – siehe #254).

1. Spitz-findig-keit

Der andere Blick am Morgen vom 20.4.2026 der NZZ (hinter Schranke) über, wie im Volksmund genannt, beleidigte Leberwürste: „Die Masse an Verfahren, die teils zugunsten von hochrangigen Politikern geführt werden, zeugt aber vor allem davon, dass hier eine Strafrechtsnorm nicht einlöst, was der Gesetzgeber versprochen hat. Denn durch den Straftatbestand der ‚Politikerbeleidigung‘ werden keine Menschen durch das scharfe Schwert des Strafrechts geschützt, die sich sonst nicht wehren können. Im Gegenteil: Die Vorschrift ist zu einer Waffe der Mächtigen gegen die eigenen Bürger geworden. Sie sollte abgeschafft werden, zumindest in ihrer jetzigen Form.“

Wie in der #248 und #193 beschrieben hat es unser damaliger Wirtschaftsminister Robert Habeck in rund drei Jahren auf 805 Strafanzeigen gebracht. Der jetzige Bundeskanzler stellt dies schon nach einem Jahr Dienstzeit im Kanzleramt gewaltig in den Schatten. Er ist ganz offensichtlich noch dünnhäutiger, als eine normale Leberwurst.

„So kam es etwa, dass inzwischen Hunderte von Strafverfahren wegen der Beleidigung von Bundeskanzler Friedrich Merz geführt wurden.“ Hält Sebastian Lange, Redakteur der NZZ Deutschland fest. Und: „Vielleicht müsste ein Umdenken zunächst im Kanzleramt einsetzen. Der Geschädigte kann laut Gesetz einer Strafverfolgung wegen Paragraf 188 widersprechen, die Ermittlungen wären dann einzustellen. Bekannt geworden ist ein solcher Fall bei Merz bisher nicht. Das Kanzleramt hat vielmehr über Monate Medien keine Auskunft über die Verfahren gegeben. Erst eine Klage des ‚Tagesspiegels‘ zwang es zur Herausgabe dieser Informationen.“

2. Spitz-findig-keit

SWR3 vom 22.4.2026 mit Antworten der Hörerinnen und Hörer auf die Frage „Wie gehts?“ Hier eine Zehner-Auswahl:

Frau und Kinder gesund; viel Arbeit, kein Geld. Wie immer. (Howie)

Beschissen wäre geprahlt. (Hendrik)

Noch ist der Sarg nicht zu. (Lothar)

Ich antworte mit Horst Schlämmer: ‚Schätzelein, ich hab’ Füße, ich hab’ Rücken und ich habe auch Zähne, aber sonst alles senkrecht, weißt du Bescheid.‘ (Majo)

Gestern gings noch, heute hab ichs noch nicht probiert. (Hörerin)

Gut. Oben klar und unten dicht! (Ingolf)

Wie immer: Arbeit wie ein Pferd, aber Gehalt wie ein Pony. (Ronald)

Bescheiden aber nicht hoffnungslos. (Michel)

Wenns besser ginge, wäre es nicht mehr zum aushalten. (Matthias)

Die Lage ist besäufniserregend. (Joni)

Übrigens: Lesen kann wer Bücher hat. Letzten Donnerstag war der „Welttag des Buches“ mit Focus auf den Buchhändlern, beispielsweise Osiander.

3. Spitz-findig-keit

Der andere Blick am Abend vom 22.4.2026 der NZZ (hinter Schranke) über die angeschlagene Energiewende: „Die ökologische Bewegung kämpft erbittert um ihre Privilegien.“ Und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) – als Gas-Kathi und Fossil-Lobbyistin, „… die niemals lacht“ angesprochen – führt „… einen notwendigen Kampf gegen ein politisches Vorfeld …, dem es schon lange nicht mehr um Wirtschaftlichkeit geht, sondern um Weltanschauung.“

Der Kampf für die Energiewende von Politikern wie Jürgen Trittin (den ich – JG – im Februar 1999, kurz vor Ende meiner Zeit im Bundesumweltministerium zu einer UNEP-Jahrestagung nach Nairobi/Kenia begleiten durfte), war in erster Linie gegen die Atomkraft gerichtet. Daran arbeiteten er und andere „… mit grosser Beharrlichkeit und allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Sie besetzten nachgeordnete Behörden mit Vertrauten und schufen neue, wie etwa das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, das noch heute vor allem mit dem Kampf gegen die Kernenergie von sich reden macht. Sie knüpften die Suche eines Endlagers an den Atomausstieg. Sie ketteten sich an Gleise und liessen sich von Polizisten niederknüppeln. Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielten für viele nur eine untergeordnete Rolle. Die Energiewende war für sie ein sozialistisches Umwälzungsprogramm.“ So Morten Freidel, stellvertretender Chefredakteur NZZ Deutschland.

#PreppoKompakt

Davon, ich beobachte es ansatzweise auch in meiner engeren Umgebung und im Freundeskreis, löst man sich nicht ohne weiteres. Es ist ein Teil der eigenen Biographie, das man nicht wie ein lange getragenes, zerschlissenes Kleidungstück einfach in den Müll wirft. Aber von Weltanschauungen/Ideologien kann man bekanntlich nicht abbeißen/leben – und darum geht es vorrangig in einer freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die allen Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen soll.

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